| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Einband aus Werkstoff. Handschriftliche Eintragungen auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Lead-Zinc-Tin '80' ist der offizielle Konferenzband des World Symposium on Metallurgy and Environmental Control, das vom 24. bis 28. Februar 1980 während der 109. Jahrestagung der AIME (American Institute of Mining, Metallurgical, and Petroleum Engineers) in Las Vegas, Nevada, stattfand. Das Symposium behandelte technische Fortschritte und regulatorische Herausforderungen in folgenden vier Sektionen: (1) Extraktion: Zinkgewinnung, Bleischmelzen und -raffinieren sowie neue Extraktionsverfahren für Blei und Zink. (2) Physikalische Chemie: Grundlagen der Extraktion von Blei, Zink und Zinn. (3) Umwelt: Aktuelle Umweltvorschriften für die Blei- und Zinkindustrie. (4) Spezialthemen: Zinn-Extraktion, Materialanforderungen, Anwendungen der Metalle und Blei-Recycling. Die Frankfurter Metallgesellschaft war in Las Vegas prominent vertreten. Ingenieure der MG und ihrer Tochtergesellschaft Lurgi präsentierten in Fachvorträgen neue technologische Verfahren. Insbesondere die Lurgi-Technologien zur Bleigewinnung (QSL-Verfahren) und zur Zink-Röstung waren zentrale Themen des Symposiums. Das Symposium war firmengeschichtlich u. a. deshalb wichtig, weil hier die Umweltfolgen der Blei, Zink und Zinn Gewinnung Thema waren. Und die hatte der damalige Vorstandsvorsitzende der MG, Karl Gustaf Ratjen (1973-1984), in der Abteilung "Environmental Control" als neues strategisches Geschäftsfeld zum weiteren Unternehmensziel gemacht. Die Gründe sind Geschichte: In den USA, Kanada und in Westeuropa verschärften die Gesetzgeber ab Mitte der 1970er Jahre die Umweltstandards massiv: in den USA verschärften die Clean Air Act Amendments (1977) die Anforderungen für Emissionskontrollen, setzten strengere Fristen und führten härtere Sanktionen ein, um die Einhaltung der Luftqualitätsstandards durchzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Gesetzgeber mit dem Occupational Safety and Health Act die Einrichtung eines neuen Akteurs: der OSHA (Occupational Safety and Health Administration) - eine Bundesbehörde, die verbindliche Arbeitsschutzstandards erließ und kontrollierte (u. a. Grenzwerte für toxische Stoffe, Lärm, Staub, Schwermetalle). Das föderal verfaßte Kanada machte den Umweltschutz zur Aufgabe einer Zentralbehörde, die die Regelungen im Luft , Wasser und Abfallrecht in umfassenden Statuten neu, dabei restriktive Grenzwerte setzte und mit seinem Environmental Impact Assessment ein politisch administratives Steuerungsinstrument erfand, das tief in industrielle Entscheidungsprozesse eingriff. Die Westeuropäer agierten erst national und ab Anfang der achtziger Jahre gemeinschaftlich: 1980 - EG-Richtlinie über Luftqualität (SO? Staub: erstmals verbindliche europäische Grenzwerte); - 1982 - EG-Richtlinie zu Industrieemissionen (Emissionsgrenzwerte für Schwermetalle, Anforderungen an Abgasreinigung, Monitoringpflichten); - 1985 - UVP-Richtlinie (Environmental Impact Assessment Directive: verbindliches Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung). Das Alles mit Folgen. Den versammelten Teilnehmern des Symposiums war vor diesem Hintergrund klar: die Verhältnisse hatten sich geändert. Für die Blei- und Zinkindustrie waren diese Vorgaben ultimativ: viele ältere Anlagen konnten die neuen Grenzwerte nicht mehr erfüllen, ohne komplett umgebaut zu werden - weil klassische Röst und Schmelzprozesse hohe SO? Emissionen erzeugten, Bleihütten toxische Stäube freisetzten, Abwässer aus hydrometallurgischen Prozessen Schwermetalle enthielten. Die Konsequenzen für die Unternehmen waren das Thema der Versammlung in Las Vegas. Die Experten iinformierten sich über die Einführung von Entstaubungsanlagen, die Möglichkeiten von SO? Abscheidung (z.B. Doppelkontaktverfahren), geschlossene Röst und Schmelzsysteme, die Modernisierung alter Hütten, ggfs.: die Stilllegung nicht nachrüstbarer Anlagen. Und mit alledem öffnete sich für die Metallgesellschaft und ihre Tochter Lurgi ein Marktfenster. Deren Vertreter hatten eine Lösung: das von Queneau, Schuhmann und Lurgi entwickelte QSL Verfahren, ein integrierter 'Ein Stufen Prozess' zur Bleigewinnung, der klassische Röst , Schmelz und Raffinationsschritte in einem geschlossenen Reaktor vereinte. Das Verfahren reduzierte Staub und Schwermetallemissionen, senkte den SO? Ausstoß und erzeugte abgasstromseitig hohe Schwefeldioxidkonzentrationen, die sich effizient zur Schwefelsäureproduktion nutzen ließen. Damit entsprach es den Anforderungen, die sich aus den veränderten gesetzlichen Regelungen der entscheidenden Länder ergaben. Die Vertreter von Lurgi präsentierten das QSL Verfahren in Las Vegas mit vollständigem Verfahrenswissen: Pilotanlagendaten, Emissionsbilanzen, Energieverbräuchen, Kostenmodellen und Skalierungsoptionen. Die Vorträge zielten darauf, Hüttenbetreibern und staatlichen Stellen eine technisch und regulatorisch tragfähige Modernisierungsoption zu bieten. Sie präsentierten dabei unter anderem den Status der QSL-Pilotanlage in Duisburg, die ein Gemeinschaftsprojekt der Metallgesellschaft und der Preussag war. Darüber hinaus war Lurgi bereits mit Wissen und Technik weltweit präsent: Hochleistungs-Elektrofilter, Gewebefilter, Nasswäscher und Venturi-Scrubber, SO2-Abscheidungssystem, Staubrückführungssysteme zur Wiederverwertung metallhaltiger Stäube. Mit alledem war ihre Teilnahme zugleich ein wissenschaftlicher Beitrag und ein strategischer Marktauftritt im entstehenden internationalen Geschäftsfeld "Environmental Control", das der Vorstandsvorsitzende Karl Gustaf Ratjen mit seiner oben erwähnten Organisationsentscheidung als neues Wachstumsfeld der Metallgesellschaft definiert hatte. |