gebraucht; gut - 422 S., 8 Bl. Kt. in Rückenschlaufe : Mit 15 Kt. im Anh. ; 8° Auf dem fliegenden Blatt von Werner Beumelburg signiert ; ohne Schutzumschlag, Buchrücken aufgehellt und etwas fleckig.Werner Beumelburg (1899 - 1963) war Schriftsteller. Er gehörte seit 1921 ('Die gestohlene Lüge' - eine science-fiction Geschichte mit Kriegsschuld-Zurückweisung und 'Führer'-Vision) zu den bekanntesten Autoren der Weimarer Republik und der NS-Zeit. In einer Schriftenfolge 'Schlachten des Weltkrieges' berichtete er realistisch erzählend von den exzessiven Gewaltereignissen in 'Douaumont' (1923), 'Ypern 1914' (1925), 'Loretto' (1927) und 'Flandern 1917' (1928). Und er blieb beim Thema: 1929 erschienen 'Sperrfeuer um Deutschland' und 1930 'Gruppe Bosemüller', der bekannteste und heute am häufigsten wissenschaftlich untersuchte deutsch-nationale Frontroman. Florian Brückner resümiert in seiner Untersuchung des literarischen Nachlasses des "Kriegsdichters", "seine 'realistisch-gewaltverherrlichende Erzählweise' ... habe nicht etwa 'Friedenserziehung' bezweckt, sondern die 'Bewältigung dieser ästhetisierten Hölle […] als Charakterschule männlicher Tugendhaftigkeit' beschworen". (Florian Brückner, In der Literatur unbesiegt. Werner Beumelburg (1899-1963) - Kriegsdichter in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. (Zeit und Text 23), Münster 2017, S. 67). 1931 nutzte Beumelburg die Form einer Propagandaschrift 'Deutschland in Ketten', um die Republik als "Sklavenstaat" zu denunzieren. Nur folgerichtig begrüßte er 1933 Adolf Hitler als Erben Bismarcks und Einiger des Reiches, und er glorifizierte ihn in seiner Hymne 'Deutschland erwacht. Deutsches Wort, deutscher Geist, deutsche Tat': "Gott ist sichtbar mit ihm". Er feierte Hitlers Nationalsozialismus als ‚Auferstehung der Masse im Geist des Weltkriegssoldatentums', schrieb im Folgenden über den Reichsarbeitsdienst, den Anschluss Österreichs und den Einsatz der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg. Damit stellte Beumelburg sein literarisches Schaffen "ganz unter das nationalsozialistische Banner des Hakenkreuzes". Politische Kriegsbücher wie 'Der Kampf um Spanien' 1934 und 'Die Geschichte der Legion Condor' 1939 bescherten ihm die Wertschätzung der nationalsozialistischen Nomenklatura. Auffällig: bei alledem neu zu lernen hatte Beumelburg den obligaten Antisemitismus seiner erzählerischen Pointen. Im Folgenden machte er sich nützlich. Zunächst blieb er schriftstellerisch ‚auf Sendung'. 1938: ‚Österreich und das Reich der Deutschen: kurze Geschichte des Großdeutschen Reiches', 1939: ‚Kampf um Spanien', 1939: ‚Sieg im Osten. So schlugen wir die Russen 1914/17', 1940: ‚Von 1914 bis 1939. Sinn und Erfüllung des Weltkriegs' 1941: ‚Geschichten vom Reich', 1943: ‚Reich und Rom'. Darüber hinaus war er Ordonanzoffizier des Luftwaffenfeldmarschalls Milch, führte im Sonderauftrag als Luftwaffenoffizier das Kriegstagebuch für Hermann Göring (1942) und er diente dem selben Herrn als Leiter einer Kriegsschule der Luftwaffe. Ganz am Ende erinnerte sich Beumelburg an Widerstandsneigungen: er verweigerte 1944 die Unterschrift unter ein von der Reichsschrifttumskammer initiiertes Treuegelöbnis zum Führer. Er empfahl nach eigener Erinnerung - in welchem Rahmen auch immer - in der gleichen Zeit jungen Soldaten, "einen Einsatzort im Westen anzustreben und im Fall der Feindberührung die Gefangennahme zu suchen". Literaturwissenschaftliche Rechercheure zweifeln! (siehe: Stefan Busch, ‚Und gestern, da hörte uns Deutschland'. NS-Autoren in der Bundesrepublik. Kontinuität und Diskontinuität bei Friedrich Griese, Werner Beumelburg, Eberhard Wolfgang Möller und Kurt Ziesel. Königshausen u. Neumann, Würzburg 1998). Nach dieser Vierteljahrhundert-Karriere im völkisch-rechten Milieu überraschend: Beumelburg wechselte nach kurzer Inhaftierung ohne Entnazifizierung auf einen bayerischen Bauernhof und wenig später in die "Neue Welt" nach Würzburg, einen Gutshof und Künstlertreff der Malerin Gertraud Rostosky. Und dort schrieb er weiter: u. a. unser Buch ‚ Jahre ohne Gnade. Chronik des 2. Weltkrieges' (1952). Dies war die Fortsetzung einer Auftragsarbeit: Luftwaffenfeldmarschall Milch hatte sich den berühmten Kriegsdichter ‚unter den Tarnschnüren eines Ordonnanz-Offiziers für seinen Stab gesichert', Göring entdeckte diese Personalakquise und machte sie rückgängig: mit der Weisung an Beumelburg, eine umfassende Geschichtsdarstellung des zweiten Weltkrieges zu schreiben. Dazu rüstete er seinen neuen Mann mit einem Flugzeug (Fieseler Storch) und einem bis zum letzten Kriegstag gültigen Kommandobefehl, mit dem Beumelburg sich überall aufhalten und alle Pläne einsehen durfte. Doch Görings Wunschchronist litt wenige Jahre später in seinem Würzburger Asyl unter Materialknappheit. Sein zu Kriegszeiten protokollierter Kenntnisstand reichte nicht aus, um einem Leser des Jahres 1952 eine fundierte Übersicht über alle bedeutenden deutschen Kriegsschauplätze von 1939 bis 1945 zu geben. Ein Spiegelautor las Beumelburgs Kriegserzählung Anfang 1953 und vollzog in seiner Rezension dessen Wissenssammlung nach: "Sein Weltkrieg-II-Bild montierte Beumelburg auf die in den dreißiger Jahren so erfolgreiche "Sperrfeuer"-Art. Er brachte Fremdes (Erinnerungen von Churchill, Cordell Hull, Byrnes, Henderson, Eisenhower, Montgomery, Bradley, Weygand, Gamelin u. a. m.) und Eigenes (Erinnerungen von Beumelburg) zusammen, fädelte alles auf einen chronologischen Faden und flickte seine Meinung in Form von drallgebenden Nebensätzen dazwischen. Das Ergebnis soll eine "Chronik" sein." (SPIEGEL vom 03. 02. 1953). Angesichts der Nebensätzlichkeiten warnt unser Rezensent: "Bleiben die drallgebenden Nebensätze. Mit ihnen schießt Beumelburg seine eigene Meinung in die "Chronik" hinein. Er schießt quasi aus dem Hinterhalt, denn man kann den Schützen nicht erkennen. Das macht den Charakter eines Buches, das als 'Chronik' ausgegeben wird, gefährlich."