gebraucht; sehr gut - Im Titel ein Essay Bölls aus dem Jahr 1959. Bölls 'Irische(s) Tagebuch' war als Buch 1957 erschienen. Ein promovierter Germanist und prämierter Literaturkritiker, Curt Hohoff, bescheinigte Böll, hier rieche es "nicht mehr nach Waschküche und billigem Tabak«. In seinem Essay "Verteidigung der Waschküchen" reagierte Böll auf diese Kritik: hier streitet er für die Würde des Alltäglichen und Privaten in der Literatur und wettert gegen jegliche Forderung nach "heroischer" oder "repräsentativer" Kunst. In seinem Text wird Böll deutlich: "Ein Kritiker klopfte mir nach Erscheinen eines meiner Bücher lobend auf die Schulter, indem er feststellte, daß ich nun das Armeleutemilieu verlassen habe, meine Bücher von Waschküchengeruch frei und der sozialen Anklage bar seien. Dieses Lob wurde mir gespendet zu einer Zeit, da eben bekannt zu werden begann, daß zwei Drittel der Menschheit hungern, daß in Brasilien Kinder sterben, die niemals erfahren haben, wie Milch schmeckt; geschah in einer Welt, die nach Ausbeutung stinkt; in der Armut weder Station zum Klassenkampf noch mystische Heimat mehr ist, nur noch eine Art Aussatz, vor dem man sich zu hüten hat und den zum Gegenstand seiner Arbeiten zu wählen einem Autor angekreidet werden kann, ohne daß man sich die Mühe machen muß festzustellen, ob eine Kongruenz von Form und Inhalt hergestellt sei."