Voress, Hugh Elisson (Hg.) und Fred Emory Croxton (Hg.),
Titel
Zirconium. A Bibliography of Unclassified Literature.
Untertitel
(= United States Atomic Energy Commission, TID-3010)
Auflage
-
Erscheinungsjahr
1951
Ort, Verlag/ Hersteller
Technical Information Service, Oak Ridge, Tennessee
Seiten
138 Seiten.
Format
-
Gewicht (Gramm)
540
Sprache
Deutsch
Zustand
gebraucht; gut
Beschreibung
Ehemaliges Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Am Buchschnitt geringf. staubschmutzig. Sehr gut erhalten.Die Bibliographie Zirconium. A Bibliography of Unclassified Literature (TID 3010) entstand im Auftrag der U.S. Atomic Energy Commission (AEC) und erschließt die unklassifizierte Berichts- und Laborliteratur zu einem der strategisch wichtigsten Metalle der frühen Kerntechnik. Zirkonium, aufgrund seines geringen Neutroneneinfangs ideal für Brennstabhüllen und reaktornahe Komponenten, rückte nach dem Zweiten Weltkrieg in den Fokus der amerikanischen Metallurgie. Die beiden Autoren, Hugh E. Voress und Croxton, arbeiteten im Technical Information Service in Oak Ridge, Tennessee - dem weltweiten Zentrum der nuklearen Dokumentation. Ihre Aufgabe war es, die nach Kriegsende freigegebenen Forschungsdaten des Manhattan Projekts zu ordnen und für die zivile Nutzung der Kernenergie zugänglich zu machen. Der Band gehört damit zu den frühesten systematischen Wissensinstrumenten der amerikanischen Reaktormaterialforschung. Das Interesse der Metallgesellschaft AG an diesem Werk war unmittelbar betrieblich begründet. Das Frankfurter Unternehmen spielte in Europa eine Pionierrolle bei der Erforschung und industriellen Aufbereitung von Zirkonium und war über Tochtergesellschaften wie Lurgi sowie über Beteiligungen an der Degussa eng mit der Metallurgie seltener und reaktiver Metalle verbunden. Viele der in TID 3010 verzeichneten "unclassified" Studien beruhten auf Forschungsprogrammen zu Sondermetallen, deren Ergebnisse für die MG von hoher Relevanz waren. Die Auswertung dieser Literatur führte in Frankfurt zu eigenen metallurgischen Entwicklungen: In Zusammenarbeit mit dem Battelle Institut meldete die MG Patente zur Reinigung und Veredelung von Zirkonium an, mit dem Ziel, hochreine Zircaloy Legierungen für Brennstabhüllen herzustellen. Insbesondere Zircaloy 4, mit seiner reduzierten Wasserstoffaufnahme und hohen Korrosionsbeständigkeit, wurde zu einem Schlüsselwerkstoff der Reaktortechnik. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt, zu dem das Buch in die Bibliothek der Metallgesellschaft aufgenommen wurde: am 30. Juni 1956, ein Jahr nach Inkrafttreten der Pariser Verträge, die der Bundesrepublik die Souveränität in Fragen der Wiederbewaffnung und Kernforschung zurückgaben. Bereits im Oktober 1955 war das Bundesministerium für Atomfragen gegründet worden, geleitet von Franz Josef Strauß, mit dem Ziel, den technologischen Rückstand Deutschlands nach dem zehnjährigen Forschungsstopp aufzuholen. Die Metallgesellschaft war in diesen Prozess eng eingebunden: Sie gehörte 1956 zu den Gründungsgesellschaftern der Kernreaktor Bau und Betriebsgesellschaft mbH in Karlsruhe, die das spätere Kernforschungszentrum errichtete, und sie war in der Deutschen Atomkommission vertreten, in der Persönlichkeiten wie der MG Vorstandsvorsitzende Richard Merton die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der deutschen Reaktorentwicklung mitgestalteten. Über Tochtergesellschaften und Kooperationen - etwa mit DEMAG und North American Aviation - war die MG zudem an der Interatom beteiligt, einem der zentralen industriellen Akteure des frühen deutschen Reaktorbaus.Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung des TID 3010 für die Metallgesellschaft klar: Der Band war nicht nur ein bibliographisches Hilfsmittel, sondern ein strategisches Werkzeug zur Erschließung der internationalen Zirkoniumforschung in einer Phase, in der die MG selbst aktiv an der Gestaltung der deutschen Atomwirtschaft beteiligt war. Das Exemplar dokumentiert damit die enge Verzahnung von amerikanischer Wissensproduktion, deutscher Industrieforschung und der institutionellen Neuordnung der Kerntechnik in der Bundesrepublik der 1950er Jahre.
Kundenrezensionen
Leider sind noch keine Bewertungen vorhanden. Seien Sie der Erste, der das Produkt bewertet.
Sie müssen angemeldet sein um eine Bewertung abgeben zu können. Anmelden