gebraucht; sehr gut - Als Mazdaznan wird eine religiöse Lehre bezeichnet, die nach eigenem Verständnis einen reformierten Zarathustrismus praktiziert: eine Mixtur von zarathustrischen, christlichen und einigen hinduistisch/tantrischen Elementen. Begründet wurde sie von Otoman Zar-Adusht Ha’nish,bürgerlich Erich Otto Haenisch. Er hatte sich eine komplizierte Biographie erfunden. Seine Versicherung: er sei am 19. Dezember 1844 in Teheran geboren worden.Tatsächlich kam er als Sohn des Viktualienhändlers Heinrich Ernst Haenisch und seiner Frau Anna Dorothea am 19. Dezember 1856 in Posen auf die Welt und wurde am 28. Dezember 1856 nach Ausweis der Kirchenbücher evangelisch getauft. Den Namen Otoman Zar-Adusht Ha’nish verwandte er seit 1890: damals begann er in Chicago seine reformerische Lebensweise als Lebensmodell zu propgaieren. Nicht nachweisbar ist seine Selbstdarstellung, daß er hier um 1900 in Medizin promovierte und Vorlesungen zu vegetarischer Ernährung und über Darmreinigung.hielt. Gleichzeitig war er in Sachen Glauben tätig: er gründete die 'Reorganisierte Mazdaznan Tempel-Vereinigung der Verbündeten Gottes', deren Lehren er seit 1907 auch in Europa verbreitete. Mit Erfolg: prominente Anhänger Rudolf Steiners, der völkischen Bewegung ( Guido von List) und des Bauhauses (! Johannes Itten) schlossen sich an. Und glaubten damit u. a. an die Lehre des Mazdaznan, dass Zarathustra drei Erlöser prophezeit habe, die alle von einer Jungfrau geboren wurden. Diese seien Krishna, Buddha und Yehoshua (fälschlich Christus genannt) gewesen. Und um den geht es dem Posener in Amerika in seinem Buch, das erstmals 1917 in Chicago erschien. Upton Sinclair hatte sich in dem sechsten Buch seiner 'Profits of Religion' auf die 'Kirche der Quacksalber' konzentriert und dabei hinter Otoman Zar-Adusht Ha’nish einen ehemaligen 'Schafhirten, Schriftsetzer, Prediger' ausgemacht, der sich dann in Chicago als persischer Magier ausgab und Atemübungen und okkulte sexuelle Praktiken unterrichtete. Tatsächlich bot Erich Otto Haenisch mit seiner Glaubenswelt einen bewährten Dreiklang: er verband die Metaphysik seiner Konfession mit einer diskriminierenden Rassenlehre (die arische weisse Rasse als auserwähltes Herrschervolk), einer Körperkultur- und Atemlehre und einer unumgänglichen Ernährungslehre (Vegetarismus). Und die Botschaft wirkt offenbar bis heute: die 'Bewegung' ist u. a. in Deutschland im Internet aufwendig vertreten, sie hat einen eigenen Verlag und publiziert in hohen Auflagen.