| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Halbleineneinband. Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Wagners Buch befasst sich mit der indirekten Beheizung und Kühlung von Industrieanlagen mittels organischer Flüssigkeiten (sogenannter Thermoöle oder Wärmeträgeröle wie Diphyl). Im Gegensatz zu Wasser oder Dampf erlauben diese Öle den Betrieb von Anlagen bei extrem hohen Temperaturen (bis über 300 °C) bei nahezu drucklosem Zustand. Wagner beschreibt die physikalischen Eigenschaften der Öle, die Auslegung von Rohrleitungen, Pumpen, Erhitzern und die Sicherheitsvorschriften. Die Fragen der Untersuchungen Wagners waren wirtschaftlich und sicherheitstechnisch. Es ging darum, Hochtemperaturprozesse ohne das enorme Risiko von Hochdruck-Dampfexplosionen effizient und wartungsarm zu gestalten. Und damit bot Wagners Buch ein Wissen, das die Kernkompetenz von Lurgi betraf: die MG-Tochter Lurgi baute weltweit petrochemische Anlagen, Syntheseanlagen (wie Methanol- und Gasreinigungsanlagen) und Raffinerien. All diese chemischen Großprozesse benötigen eine präzise steuerbare Wärmeabfuhr oder -zufuhr im Hochtemperaturbereich. Thermoöl-Systeme waren in den 70er Jahren die modernste und sicherste Methode dafür. Lurgi-Ingenieure nutzten Wagners Berechnungen, um diese Großanlagen fehlerfrei zu dimensionieren. Dabei war die Energieeffizienz im Fokus: nach dem Ölschock von 1973/74 war die industrielle Energieeinsparung das wichtigste Verkaufsargument. Die Wärmeträgertechnik erlaubte es, Abwärme aus Prozessen hocheffizient zurückzugewinnen. Damit war Wagners Buch für die thermischen Berechnungen der MG-Ingenieure im Reuterweg wegweisend, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein heutiger Leser sollte aber wissen, daß er mit dieser Publikation die eine industrie-‚freundliche' Seite eines damaligen - sehr spektakulären - Wissenschaftsduells in der Hand hält. Die andere Seite: zum Veröffentlichungszeitpunkt unseres Buches war längst bekannt, daß organische Wärmeträgerflüssigkeiten (je nach Substanzklasse) erhebliche Risiken bergen. Bereits in den Sechzigern kamen die systhetisch-organischen, ab den Siebzigern die Betriebsrisiken mineralölbasierter Stoffe ins Gerede. Dabei ging es vor allem um die Polychlorierten Biphenyle (PCB), die seit den 1930er Jahren als Thermo- und Hydrauliköle eingesetzt wurden - die riskanteste Gruppe organischer Wärmeflüssigkeiten. Hier wies der schwedische Forscher Sören Jensen 1966 nach, dass sich PCBs unkontrolliert in der Umwelt und der Nahrungskette anreichern. . Als Wagner sein Buch veröffentlichte, war dieser Wärmeträger in offenen Systemen bereits verboten, das Totalverbot in geschlossenen Systemen folgte 1986 - 1989. Wagner konzentrierte sich deshalb auf Stoffe wie: Diphenyl, Diphenyloxid, Alkylbenzole, synthetische Aromaten, Ester Wärmeträger, Glykol Systeme, Silikonöle. All dies waren riskante Varianten, für deren physikalische Beherrschbarkeit das Buch Wagners das Grundwissen lieferte. Wagner systematisierte die geannten Wärmeträger genau. Und er zeigte auf, dass man diese "riskanten" Medien nicht pauschal verbieten muss, sofern ein Ingenieur mit dem Wissen des Buches die Thermodynamik beherrscht: durch erzwungene Mindestströmungsgeschwindigkeiten (gegen das Cracken), den Einsatz von Stickstoffüberlagerungen (gegen Oxidation und Feuchtigkeit) und den Einbau von hermetischen Magnetkupplungspumpen (gegen Leckagen). Während er von der Beherrschbarkeit überzeugt war, verwiesen die Gegner auf Tatbestände wie Ökotoxizität, unkalkulierbaren Betriebsrisiken und der mangelnden Entsorgbarkeit. Und wenn dann der heutige Leser in den geltenden Umweltvorschriften blättert, wird er feststellen, daß bei der gegenwärtigen Handhabung Walters Vorgaben zur Risikovermeidung und zugleich die damaligen umweltwissenschaftlichen Warnungen Grundlage für die derzeitigen gesetzlichen Regelung wurden. |