Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Einband und Schnitt leicht fleckig.Hier ist für die Einordnung ein Zusammenhang wichtig: das Buch wurde zwar von einem kommerziellen Verlag herausgegeben, ist jedoch inhaltlich eng mit der ASME (American Society of Mechanical Engineers) abgestimmt. Harveys Berechnungen und Theorien bildeten eine wesentliche Säule für die Formulierung des weltbekannten ASME Boiler and Pressure Vessel Code (BPVC), dem globalen Regelwerk für Druckbehälter. Folgerichtig konzentiert sich Harvey auf die mathematisch-physikalische Berechnung und Konstruktion von Druckbehältern. Er analysiert, wie Stahl- und Metallkonstruktionen extremen Belastungen wie atomarer Bestrahlung (in Reaktoren), chemischer Korrosion, Ermüdung, thermischen Schocks und immensem Innen- oder Außendruck standhalten. Für die Lurgi Planer und Ingenieure ein Pflichtlektüre: In den 1970er Jahren waren sie weltweit führend im Bau von petrochemischen Anlagen, Raffinerien und Kohlevergasungsanlagen (z. B. Großprojekte in Südafrika oder im Nahen Osten). Diese Anlagen benötigten gigantische Reaktoren und Destillationstürme, die unter enormem Druck arbeiteten. Über das technische Interesse hinaus: Harvey lieferte mit seiner Aufzählung von US-Sttandards das Wissen für den Export in alle Welt. Wenn Lurgi Anlagen für den internationalen Markt bauen wollte, mussten die deutschen Ingenieure zwingend nach den amerikanischen ASME-Normen konstruieren. Harveys Buch lieferte den Frankfurter Ingenieuren das mathematische „Warum“ hinter den strengen US-Zulassungsvorschriften. Es war ein unverzichtbares Werkzeug für die Konstruktionsbüros im Reuterweg. Für die Technikhistorie ein epochemachendes Buch: es dokumentiert den Übergang von rein empirischen (erfahrungsbasierten) Formeln hin zur modernen, computergestützten Spannungsanalyse in der Schwerindustrie. Es liefert damit das damalige Grundlagenwissen. Und obwohl moderne Ingenieure heute mit CAD und Finite-Elemente-Methoden (FEM) arbeiten, basieren die physikalischen Grundprinzipien (wie die Wandstärkenberechnung nach der Kesselformel oder Ermüdungskurven) allemal auf den in diesem Buch beschriebenen Ableitungen.
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