The Romanian Oil Industry.
(Art.Nr.: 169919)
| Bestellnummer | 169919 |
| ISBN / EAN | - |
| Person / Körperschaft | Jordan, Constantin N. |
| Titel | The Romanian Oil Industry. |
| Untertitel | Published for the Mid-European Studies Center of the Free Europe Committee, Inc. |
| Auflage | - |
| Erscheinungsjahr | 1955 |
| Ort, Verlag/ Hersteller | New York: University Press |
| Seiten | XV, 357 Seiten |
| Format | 24,5 cm, Halbleinen |
| Gewicht (Gramm) | 700 |
| Sprache | Englisch |
| Zustand | gebraucht; gut |
| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Ein unaufgeregter Titel. Der Autor: ein rumänischstämmiger Wirtschaftswissenschaftler und Rohstoffanalyst, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA emigrierte. Wenn man nach Spuren des Autoren Jordan sucht, stößt man neben dem Buch auf archivierte, maschinengeschreibene Berichte (Mimeographed Series des Mid-European Studies Center) des Free Europe Committe aus den Jahren 1953 - 1964 und Beiträge zu Fachdiskursen in amerikanischen Journalen der späten 1950er-Jahre. Rekonstruierbar sind diese Aktivitäten über Digitalisierungen der Seite ‚Hathi-Trust'. Und auch der Blick auf den Inhalt sorgt bestenfalls für Neugier: das Verzeichnis liest sich wie ein wirtschafts und industriehistorischer Überblick über die rumänische Erdölindustrie vom 19.?Jh. bis in die frühen 1950er Jahre. Der Eindruck: dies ist ein wirtschaftsgeographischer und industriepolitischer Länderbericht für damalige Spezialisten in Sachen osteuropäisches Öl oder für Hungrige auf Allgemeinbildung. Aber nach dem dritten Blick wird es spektakulär. Der Verlag teilt auf dem Vorblatt mit, daß er für die Veröffentlichung keine Verantwortung übernimmt: Published for the Mid-European Studies Center of the Free Europe Committee, Inc. Und damit sind wir mitten im ‚kalten Krieg': das Free Europe Committee (ursprünglich National Committee for a Free Europe, NCFE) war eine im Juni 1949 in New York gegründete, US-amerikanische antikommunistische Organisation des frühen Kalten Krieges. Offiziell als private Initiative prominenter Bürger getarnt, wurde sie auf Initiative des US-Außenministeriums und der CIA ins Leben gerufen, um den sowjetischen Einfluss in Osteuropa zurückzudrängen. An der Gründung waren klangvolle Namen beteiligt: u. a. der Diplomat Joseph Grew (treibende Kraft hinter Radio‚ Free Europe), der spätere CIA-Direktor Allan Dulles, John Jay McCloy (als damaliger ‚Hoher Kommissar' wichtigster Vertreter der USA in der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland, später Vorstandsvorsitzender der Chase Manhattan Bank, Dwight D. Eisenhower (damals: ehemaliger 5-Sterne-General und Kriegsheld des Zweiten Weltkriegs, Berater des Pentagon). Das NCFE war eine von Prominenten angeführte ‚Bürgerbewegung', die ihre Aktivitäten offiziell mit Spenden, tatsächlich aber mit Zuwendungen der CIA finanzierte. Und für dieses Geld war die Organisation an vielen Orten aktiv: sie betrieb das Radio ‚Free Europe', unterstützte Exilanten aus dem ‚Ostblock', finanzierte Partnerorganisationen wie die Assembly of Captive European Nations (das ACEN - es vertrat bis 1972 die Interessen von neun Nationen: Albanien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Das Ziel: Aufklärung des Westens über das Leben ‚hinter dem Eisernen Vorhang', Finanzierung der jährlichen ‚Captive Nations Week'. Mit Hauptsitz in New York City, gegenüber dem UN-Hauptquartier und Büros u. a. in Bonn, London und Paris) oder die Free Europe University in Exile (Vergabe von Stipendien und Bildungshilfe an osteuropäische Exilanten, Studienzentrum in Straßburg-Robertsau). Neben diesen Aktivitäten - zu denen übrigens auch die Beschaffung der Berliner Freiheitsglocke gehörte - betrieb das NCFE sein ‚Mid-European Studies Center' in New York. Es war ein hochspezialisierter politikwissenschaftlicher und ökonomischer Thinktank, der exilierte Wissenschaftler, Juristen, Ökonomen und Historiker aus den sowjetisch besetzten Ländern (wie Polen, Rumänien, Ungarn, der Tschechoslowakei und Bulgarien) fest anstellte oder über Stipendien finanzierte. Sie beherrschten zum einen die Landessprachen und verstanden zum anderen die internen Verwaltungs-, Justiz- und Wirtschaftsstrukturen ihrer Heimatländer im Detail. Ihre Hauptaufgabe: die Auskundschaftung der hermetisch abgeriegelten politischen Entscheidungsabläufe und volkswirtschaftlichen Ist-Stände Osteuropas. Das Ziel: belastbare Daten über die tatsächliche Leistungsfähigkeit, Schwachstellen und Ressourcenströme (wie in unserem Fall die rumänische Ölindustrie) des sowjetischen Machtbereichs zu gewinnen, um damit die US-Regierung strategisch zu munitionieren. Und mit alledem wird Jordans Bericht über die ‚Rumänische Öl-Industrie' ein ‚Stolperbuch'. Auf den ersten Blick eine Fleißarbeit: Jordan dokumentiert die rechtliche Umstrukturierung und Verstaatlichung der rumänischen Ölfelder nach 1948; er analysiert die Produktions- und Förderstatistiken und die geologischen Gegebenheiten der Region Ploiesti; er veranschaulicht die wirtschaftliche Ausbeutung Rumäniens durch die sowjetisch-rumänischen Gemeinschaftsunternehmen (Sovrompetrol). Was aber wie eine reine wissenschaftliche Studie über Förderquoten und Ölfelder daherkommt, wird auf unseren hintergründigen zweiten Blick als indirekter Spionagebericht lesbar. Ein informierter Leser weiß nach alledem, daß er die Botschaften Jordans als Entscheidungsgrundlage für die damalige US-amerikanische Außenpolitik nachvollziehen muß. Die Daten seines Buches lieferten Zahlen, die im Washington dieser Zeit genutzt wurden, um die logistischen Schwachstellen des sowjetischen Militärapparats zu berechnen. Und dieser sinnesgeschärfte Leser sollte auch damit rechnen, daß dieses Buch nur deshalb auf Rechnung und in Verantwortung (indirekt) der CIA veröffentlicht wurde, weil es die politisch westweltweit gewünschte Wahrnehmung bestärkte, daß die Sowjetunion eine plündernde Raubmacht und ihr ökonomisches Sozialismusprojekt eine desaströse Fehlkonstruktion war. Es ist nicht davon auszugehen daß unsere Frankfurter Bibliothek der Metallgesellschaft dieses Buch in ihr Regal, stellte, weil sie diese Doppelbödigkeit als innerbetriebliche Fortbildung thematisieren wollte. Das Buch war im Bestand der ‚Literarischen Abteilung' wichtig, weil es im Kerngeschäftsbereich Mineralöl den Zustand eines Fördergebiets beschrieb, das die MG aus Vorkriegszeiten bestens kannte und bei dem westweltweit erwartet wurde, daß das sozialistische Projekt ein Kurzzeitphänomen war. |
Kundenrezensionen
Leider sind noch keine Bewertungen vorhanden. Seien Sie der Erste, der das Produkt bewertet.
Sie müssen angemeldet sein um eine Bewertung abgeben zu können. Anmelden