The chemistry and physics of clays and allied ceramic materials.
Untertitel
-
Auflage
4th. ed.
Erscheinungsjahr
1971
Ort, Verlag/ Hersteller
London: E. Benn
Seiten
1024 S.
Format
8° , Leinen
Gewicht (Gramm)
1200
Sprache
Englisch
Zustand
gebraucht; gut
Beschreibung
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Wir haben hier das Buch eines renommierten englischen Professors für Keramik und Materialwissenschaft an der Universität Leeds in seiner vierten Auflage vor uns. Da sind Nachfragen Pflicht: Das Verlagsprojekt, an dem sich Grimshaw bereits seit 1959 beteiligte, war bejahrt. 1923 hatte sein Kollege Alfred B. Searle sein Buch The Chemistry and Physics of Clays and Other Ceramic Materials erstmals veröffentlicht. Es folgte 1933 eine zweite Auflage. Bei der dritten (1959) war neben Searle bereits Grimshaw beteiligt. Searle starb 1967. Der Verlag machte das Projekt daraufhin zu Grimshaws alleiniger Sache, der das Buch 1971 unter verändertem Titel herausbrachte: The Chemistry and Physics of Clays and Allied Ceramic Materials.Und das war ein echter Paradigmenwechsel: Searle hatte sein Wissen noch als empirisch-chemische Rohstoffkunde präsentiert. Es ging bei ihm um makroskopische Beobachtung, nasschemische Analyse (Elementarzusammensetzung) und praktische Ofenerfahrung. Grimshaw hingegen war Experte für atomare Festkörperphysik und Kristallografie. Sein Fokus lag auf der inneren Struktur der Minerale, deren thermodynamischen Zustandsdiagrammen und molekularen Bindungskräften. Searles Interesse galt der Geologie und Petrographie; Ton war für ihn ein aus der Natur gewonnenes, heterogenes Sedimentgestein und musste demnach als "Naturstoff" begriffen und beschrieben werden. Grimshaw hingegen war Spezialist für Röntgenstrukturanalyse und Elektronenmikroskopie. Für ihn galt: Minerale mussten auf atomarer Ebene durch Röntgendiffraktometrie (XRD) entschlüsselt werden. Aus dem Naturstoff Ton wurde bei ihm eine definierte kristalline Struktur. Am Ende der Searle'schen Materialbesichtigung stand das Ergebnis der traditionellen Silikat- und Grobkeramik, die vor allem der Optimierung von Ziegeleierzeugnissen, klassischen feuerfesten Ofenausmauerungen, Steinzeug und Porzellan diente. Mit Grimshaws Wissen war der Weg nun frei zu Hochleistungs- und Synthesekeramik, mit der Rezepturen für jene modernen "allied materials" möglich wurden: künstliche Oxidkeramiken, Verbundwerkstoffe und Cermets für Kerntechnik, Luftfahrt und moderne Metallurgie. Die spannende Frage im Zusammenhang unserer Bibliothekserkundung lautet: Was wollte die MG mit einem Buch über Ton? Hier geraten wir wieder in die Engmaschigkeit des Konzernnetzes: Die MG war über Jahrzehnte engstens mit der Erforschung und dem Vertrieb von Spezialerden und Tonen verbunden - unter anderem über Verflechtungen mit der Süd-Chemie. Tone wie Bentonit und Montmorillonit wurden im großen Stil als Bleicherden zur Reinigung von Speiseölen und Erdöl sowie als Gießereisande im Metallguss benötigt. Grimshaw lieferte den Frankfurter Laboren das theoretische Fundament für diese mineralischen Produkte. Und auch die Tochter Lurgi hatte akuten Lektürebedarf: Lurgi baute weltweit Großanlagen zur Erzpelletierung. Um feinkörniges Eisenerz in Hochöfen einsetzen zu können, muss es zu kleinen Kugeln (Pellets) gerollt und gebrannt werden. Als Bindemittel für diese Pellets wurde und wird extrem quellfähiger Ton (Bentonit) verwendet. Die Lurgi-Ingenieure mussten Grimshaws physikalische Analysen über das Bindeverhalten von Tonen genauestens studieren, um die exakten Mischungsverhältnisse für ihre weltweiten Großanlagen zu berechnen.
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