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    Startseite » Büchernachlässe / Kataloge » Lieferung Nr. 3 » Spezial- und Hochveredlungsverfahren der Textilien aus Zellulose.
    Spezial- und Hochveredlungsverfahren der Textilien aus Zellulose.
    (Art.Nr.: 169945)
    (Art.Nr.: 169945)
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    Spezial- und Hochveredlungsverfahren der Textilien aus Zellulose.

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    Lagerbestand: Stück
    Medium: Bücher
    Zustand: gebraucht; gut
    Ort/Verlag/Hersteller: Wien : Springer
    Jahr: 1951
    Umfang/Format: VII, 211 S.; Mit 59 Textabb.; 8°
    Einband: Lw.
    Person/ Körperschaft: Weiss, Franz
    Urpsrungsland: DE
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    • Beschreibung
    Beschreibung
     
    Bestellnummer169945
    ISBN / EAN-
    Person / KörperschaftWeiss, Franz und Wilhelm Reif
    TitelSpezial- und Hochveredlungsverfahren der Textilien aus Zellulose.
    Untertitel-
    Auflage-
    Erscheinungsjahr1951
    Ort, Verlag/ HerstellerWien : Springer
    SeitenVII, 211 S.; Mit 59 Textabb.; 8° 
    FormatLw.
    Gewicht (Gramm)200
    SpracheDeutsch
    Zustandgebraucht; gut
    BeschreibungEhem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Das Buch befasst sich mit der chemischen und physikalischen Nachbehandlung ("Hochveredlung") von Textilien, die aus Zellulose bestehen (Baumwolle, aber vor allem die damals extrem wichtigen Kunstfasern Viskose/Kunstseide und Zellwolle). Die Textilveredlung war bis in die 1930er Jahre eine Anwendung von Erfahrungsfertigkeiten. Man stärkte, füllte, glättete, appretierte - aber ohne stoffliches Hintergrundwissen. Erst Rohstoffknappheit, Kriegswirtschaft, Modernisierung der Zellulosechemie und die Konkurrenz durch synthetische Fasern zwangen die Industrie, die Gebrauchseigenschaften von Baumwolle und Viskose chemisch zu verbessern. An dieser Stelle beginnt unser Buch: konkret beschreibt es Verfahren zum Umgang mit alltäglichen Materialschwächen: Knitterfestigkeit, Krumpfechtheit (Schrumpffreiheit), Wasserdichtigkeit, Glanzeffekten und feuerhemmenden Eigenschaften sollten durch den Einsatz von Kunstharzen und anderen Chemikalien erreicht werden. Die Textilveredelung stand in dieser Zeit (1950/51) vor einem Zukunftsschritt: die Vorkriegsverfahren (Mercerisation, klassische Appreturen, mechanische Spannverfahren) waren etabliert. Man arbeitete an Weiterentwicklungen (knitterfeste Ausrüstung, Sanforisierung, chemische Hochveredlung). Um so mehr, weil die Konkurrenz der synthetischen Fasern (Nylon, Perlon) bereits in Sicht war. Das Buch von Weiss und Reif ist damit ein Manifest zur Rettung des bewährten Stoffs und insofern das Dokument einer Übergangszeit. Für heutige Leser: eine Quelle für Interessenten an der Modernisierung der europäischen Textilindustrie nach 1945. Zugleich ist aber die Anwesenheit dieses Buches in der Bibliothek der Metallgesellschaft ein Anlaß für Nachfragen, die uns mitten in das Getümmel der Nachkriegsaufstellung bundesdeutscher Konzerne führen. Die MG hatte sich 1941 als Aktionärin und Finanzinvestorin an der politisch forcierten Gründung eines Textilkonzerns, der Phrix-Werke AG mit Sitz in Hamburg, beteiligt. Der Hintersinn: sie war auf diese Weise Miteigentümerin eines Abnehmers für ihre eigenen Rohstoffe und Chemieanlagen zweier Töchter. Bereits damals war der MG-Verbund bereits Großlieferant für chemische Grundrohstoffe: zum Beispiel Schwefelchemikalien. Zellwolle und Kunstseide (Viskose) bestehen zwar aus Holz (Zellulose). Um aber aus diesem Holz eine flüssige Spinnmasse und schließlich eine feste Faser zu machen, benötigte man zur Verflüssigung Schwefelkohlenstoff und zur Verfestigung Schwefelsäure. Hier konnte die MG - wie auch später in den Fünfzigern - liefern: sie besaß Bergbau-Töchter, darunter die ‚Sachtleben AG für Bergbau und chemische Industrie'. Sachtleben betrieb unter anderem ein Bergwerk in Meggen (Sauerland), das die damals größte Schwefelkies-Lagerstätte Europas bearbeitete. Zugleich war die MG mit ihrer ältesten Tochter Lurgi an der Erstellung der verfahrenstechnischen Großanlagen beteiligt, die Phrix 1941 wie 1951 benötigte. Und da war in der Vorzeit des Wirtschaftswunders viel Arbeit. Phrix expandierte, Lurgi und Sachtleben lieferten. Für die Frankfurter Anlagenbauer ging es dabei um die pysikalische und chemische Steuerung eines komplexen Prozessses. Die klassische Holz zu Faser Technik (Viskose, Acetat) brauchte: Schwefelsäure (Spinnbad, Sulfitkochung), Schwefeldioxid (Laugenherstellung), Natronlauge (Zellstoffaktivierung), Schwefelkohlenstoff (Xanthogenatbildung). Und für all dies: Hochdruckkocher, korrosionsfeste Apparate, Gasabscheidung, Abluftwäsche, Sicherheitszonen. Und der ganze Aufwand machte im Alltag die oben beschriebenen Schwierigkeiten: Viskose verlor unter Feuchtigkeit ihre Festigkeit; die Faser hatte keine innere Elastizität und knitterte; sie quoll stark und verzog sich; sie war mechanisch bei Reibung nicht robust. All diesen Schwierigkeiten widmete sich unser Buch von Weiss und Reiff. Gegen Feuchtigkeitsverlust empfahlen sie: die chemische Quervernetzung der Fasern durch Harze, gegen fehlende Elastizität und Knittern: Acetalisierung und Harzvernetzung, gegen das Quellen und Verziehen: mechanisch-thermische Fixierungen, gegen die Abriebprobleme: Oberflächenfilme und Appreturen. Ein Buch als Rettungsversuch: Weiss und Reif bauten um die schwache Viskosefaser ein chemisch physikalisches Stützsystem, das ihre vier Hauptschwächen kompensierte. Vor dem Hintergrund von Nylon und Perlon: für die MG und ihre Geschäftsinteressen ein Hoffnungsträger. Aber unser hundert Jahre versammelndes Bibliotheksfragment zeigt, daß die MG sich in den fünfziger Jahren bereit intensiv in Sachen Polymerforschung kunndig machte. Bei ihrer ‚Literarischen Abteilung' füllten sich die Regale mit einschlägiger Literatur. Insofern wußten Beteiligten in Frankfurt und Sachtleben, daß sie sich auf eine ‚neue Welt' einstellen mßten. Vor allem Lurgi: die Viskoseindustrie war eine Schwefel , Laugen und Nassspinnindustrie, während die Polymerchemie eine Hochtemperatur , Hochdruck , Schmelzspinn und Petrochemieindustrie wae. Beide Systeme waren inkompatibel. Insbesondere für Lurgi: ein Innovationsgebot. Am Rande: Interessenten für unser Buch, dessen Thema oder dessen Autoren werden bei ihrer Duchsicht möglicher Erreichbarkeiten feststellen, daß das Spezial- und Hochveredlungswissen von Weiss und Reif in hochpreisigen Angeboten als BoD oder PoD zu haben ist. Es gibt ganz offensichtlich Nachfrage. Und jetzt lohn ein wenig Ausführlichleit. Das Problem des Stoffwandels in den Fünfzigern: Polyester und Nylon werden aus fossilem Erdöl hergestellt. Beim Waschen und Tragen entsteht Mikroplastik, das die Gewässer unumkehrbar verschmutzt. Zudem verrotten diese Textilien auf Mülldeponien jahrhundertelang nicht. Und daher eine Rückkehr zur Zellulose-Lösung: Zellulose (gewonnen aus Holz, Bambus oder landwirtschaftlichen Abfällen) ist zu 100 % biologisch abbaubar. Sie bindet während des Wachstums CO? und hinterlässt am Ende ihres Lebenszyklus kein Mikroplastik, sondern zerfällt wieder zu Naturkomponenten. Bei alledem hat die Chemie gelernt. Zur Erinnerung: frühere Verfahren aus den 40er und 50er Jahren (wie die klassische Viskose-Herstellung) hatten extrem giftige Chemikalien wie Schwefelsäure, Schwefeldioxid, Natronlauge, Schwefelkohlenstoff benötigt. Heute dominieren Fasern wie Lyocell (bekannt unter dem Markennamen Tencel). Hier wird das Holz mit einem organischen, ungiftigen Lösungsmittel verflüssigt, das zu über 99 % im geschlossenen Kreislauf immer wieder verwendet wird. Ein Geschäftsfeld füt Start-ups: sie beschäftigen sich mit heute Verfahren, um aus Alttextilien (alten Jeans), Agrarabfällen (Stroh, Bananenstauden) oder sogar durch Bakterien (bakterielle Zellulose) reinste, neue Textilfasern zu spinnen, ohne dass ein einziger Baum gefällt werden muss. Und diese Stoffrenaissance betrifft nicht nur die Kleidung. Überall dort, wo Einwegplastik verboten oder gesellschaftlich geächtet wird, springen moderne Zellulosederivate als Ersatz ein. Bei Verpackungen: transparente Folien, die aussehen wie Plastik, aber aus Zellulose bestehen und auf dem Gartenkompost verrotten. Barriere-Schichten: Beschichtungen für Pappbecher und Essensboxen, die fett- und wasserabweisend sind, ohne giftige Fluorchemikalien (PFAS) oder Plastikfolien zu nutzen. Und hier beginnt die Aktualität der Nachrichten von Weiss und Reif aus dem Anfang der fünfziger Jahre: Zellulosefasern haben heute wie damals von Natur dieselben physikalische Nachteile: Sie knittern stark, saugen sich voll Wasser und laufen beim Waschen ein. Damit steht die Textilindustrie vor ihrem fast hundertjährigen Problem: wie macht man die Zellulosefaser alltagstauglich und robust? Die heutigen Verfahren konnten Weiss und Reif nicht kennen: in ihrer Zeit nutzte man Formaldehyd-Harze, deren krebserregende Wirkung schon lange nachgewiesen ist. Zwar greift auch die heutige Forschung auf die oben beschriebene Vernetzungslogik der beiden aus 1951 zurück, versucht aber deren Hochveredlung mit biobasierten Enzymen oder harmlosen organischen Säuren (z. B. Zitronensäure) zu erreichen. Und damit gilt auch an dieser Stelle: die Kenntnisnahme unseres Buches ist die aussichtsreiche Möglichkeit eines Rückblicks in industrie- und wissenschaftsgeschichtlichen Entscheidungssituationen. Und in diesem Sinne noch ein Nachtrag zur Geschichte unserer hauptbeteiligten MG: wir haben Einsicht in das Fragment ihrer zu dieser Zeit rund 20 000 Bände umfassenden Bibliothek. Uns liegen rund 750 Bücher ihrer ‚Literarischen Abteilung'. Was nun im Folgenden als Sachaussagen daherkommt, sind tatsächlich Beobachtungen unter drastisch eingeschränkten Sichtverhältnissen. Wir haben den Versuch der Viskoserettung von Weiss und Reif in der Hand und wissen: sie markieren mit ihren Vorschlägen den Beginn eines Wechsels zu Kunststofffasern. Die erste Veröffentlichung, die wir in unserem Bibliotheksfragment zur Polymerchemie finden, stammt aus dem Jahr 1962 - 11 Jahre nach Weiss und Reif. Bis dahin funktionierte der Verkauf der hochveredelungsbedürftigen Fasern. Aber damit war es Anfang der Sechziger vorbei. Und die Anschaffung von Wissen fällig: Robert H. Wentorf, Modern Very High Pressure Techniques. Hierbei ist besonders auffällig: während es in unserem Buch über Viskose um eine Chemie und Physik der Materialrettung ging, informiert Wentorf ausschließlich über die Komplexität von Anlagen, die bei der Herstellung der ölbasierten Synthetikstoffe Voraussetzung sind. Dies war Wissen für Lurgi. Der Anlagenbauer mußte sich informieren, auf welche chemischen und physikalischen Prozesse er sich bei der Herstellung der ‚neuen Stoffe' einzustellen hatte.


     

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