| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Ein besonderes Buch aus einem speziellen Verlag. Die Nummer 178 der renommierten Reihe Chemical Technology Review: es geht um die enzyklopädische Erfassung der US-notorischen ‚Refractories'. Gedruckt in einem Verlag mit einer neuen Geschäftsidee: die Noyes Data Corporation bezog ihr Wissen direkt aus den amtlichen Veröffentlichungen des US-Patentamtes (dem USPTO - United States Patent and Trademark Office). Die Quelle: das "Official Gazette of the United States Patent Office" - ein wöchentlich erscheinendes Verkündungsblatt, in dem jedes neu erteilte Patent mit einer kurzen Zusammenfassung (Abstract), den wichtigsten rechtlichen Ansprüchen (Claims) und einer technischen Zeichnung aufgelistet wurde. Sobald zum Beispiel unsere Redakteurin Duffy über Patente aus der Chemie- oder Werkstofftechnik ‚stolperte', folgte deren Anforderung der vollständigen Patentschriften (Specifications) beim USPTO. Damit war Noyes Data Corporation war kein klassischer Buchverlag, sondern einer der weltweit ersten datenbasierten Informationsdienstleister. Er durchforstete die öffentlich zugänglichen Staatsarchive des US-Patentamtes, komprimierte ihre Funde themenspezifisch und verkaufte diese "Spionageberichte" an interessierte Konzerne. Im Fall unserer ‚Review No. 178' stellte unsere Redakteurin eine systematische, lückenlose Zusammenfassung aller US-Patente ab 1977 zusammen, die sich mit feuerfesten Materialien (Refractories) befassen. Ihre Aufstellung berücksichtigte hitzebeständige Steine, Spezialzemente, Keramikfasern und Schutzbeschichtungen, die extremen Temperaturen (oft weit über 1500 °C) und chemischer Korrosion standhalten müssen. Duffy betrieb ihre Recherche, Zusammenführung, redaktionelle Überarbeitung in einer für ihr Sammlerinteresse spannenden Zeit. Ende der siebziger Jahre hatte sich die ‚Feuerfestindustrie' weltweit umzustellen: die klassischen basischen und sauren Feuerfeststoffe (Magnesia, Chromit, Silika, Tonerde) reichten nicht mehr aus, um die neuen Hochtemperaturprozesse der Metallurgie, Petrochemie und Energieindustrie zu beherrschen. Der Hintergrund: die Explosion der Stahlwerks Temperaturen, die Einführung neuer metallurgischer Verfahren (Sauerstoffaufblasverfahren, Sekundärmetallurgie), die petrochemischen Hochtemperaturreaktoren, die weltweite Verknappung bestimmter Rohstoffe (Chromit, Bauxit). In dieser Situation war die Profitabilität der Review 178 gesichert: wer in der Hochtemperaturtechnik arbeitete, musste wissen, welche Rezepturen sich die Konkurrenz in den USA patentieren ließ, um entweder Lizenzen zu erwerben oder eigene Umgehungspatente zu entwickeln. So auch die MG und ihre Lurgi: die Metallgesellschaft betrieb über ihre Töchter und Beteiligungen weltweit riesige Hüttenwerke zur Gewinnung von Zink, Blei und Kupfer. Das Herzstück jeder Hütte war der Schmelzofen. Die Haltbarkeit der feuerfesten Ausmauerung entschied über Gewinne. Jeder ungeplante Ofenstillstand durch zerfressene Steine bedeutete Verluste. Das Buch lieferte den Frankfurter Ingenieuren den neuesten Stand der US-amerikanischen Werkstofftechnik zur Verlängerung von Ofenstandzeiten. Lurgi baute Großanlagen zur Erzröstung, Müllverbrennung und Kohlevergasung. All diese Prozesse finden bei großer Hitze statt. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, mussten die Lurgi-Konstrukteure im Reuterweg wissen, welche neuen feuerfesten Materialien die amerikanischen Wettbewerber einsetzten. Und dabei war die Liste aus Park Ridge in New Jersey ein unverzichtbares Navigationsmittel. |