| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt.Zunächst ist die Existenz dieses Buches erstaunlich. Es sind die Untersuchungsergebnisse einer sowjetischen Forscherin in englischer Sprache, deren russische Erstveröffentlichung wenige Jahre zuvor von dem renommierten SU-Metallurge Sergei Georgievich Glazunow (Institut für Metallurgie der Akademie der Wissenschaften der UdSSR) herausgegeben worden war. Diese Publikation war über das ‚Israel Program for Scientific Translations (IPST)' angekauft und in die Hände dreier dort lebender osteuropäischer Einwanderer (Halbreich, Kaner, Statter) weitergegeben worden, die im Auftrag des staatlich finanzierten Übersetzungsbüros und Verlags das Ganze ins Englische übertrugen. Und das IPST druckte und verkaufte ihre Arbeit dann u. a. an einen Aachener ‚Distributor', der sich auf den Import und die Verteilung wissenschaftlicher Literatur u. a. aus Osteuropa spezialisiert hatte und Industriebibliotheken, Hochschulen, Forschungsinstitute in Deutschland, Benelux, Schweiz belieferte. Ein Geschäftsmodell in der Hochzeit des kalten Krieges: die Sowjetunion verkaufte ausgesuchte Segmente ihres wissenschaftlichen know hows an westliche Devisenanbieter und die sorgten in internationaler Arbeitsteilung für die Distribution des Wissens in den Ländern des Klassenfeindes. Und da war man zum Beispiel in der Industrie neugierig. Molchanovas Arbeit galt als eine der ersten umfassenden Zusammenstellungen von Phasendiagrammen für Titansysteme. Es war ein Schlüsselwerk der sowjetischen Titanforschung: ein Atlas von 296 Seiten mit systematisch erhobenen Zustandsdiagrammen aller wichtigen Ti-Legierungssysteme. Ihr Werk war damit eines der frühesten umfassenden Kompendien sowjetischer Titan Phasendiagramme, und zwar: binäre Systeme (Ti-Al, Ti-V, Ti-Mo, Ti-Cr, Ti-Fe, Ti-Mn, Ti-Sn, Ti-Zr …) - teilweise ternäre Systeme. Damit war sie eine Schlüsselautorin für alle, die in den 1960er Jahren Titanlegierungen entwickelten - sowohl im Ostblock als auch im Westen. Mit ihren Ergebnissen lieferte sie Anfang der 1960iger Jahre die erste umfassende westlich zugängliche Sammlung sowjetischer Ti Zustandsdiagramme; eine systematische Darstellung von binären und ausgewählten ternären Systemen: Ti-Al, Ti-V, Ti-Mo, Ti-Cr, Ti-Fe, Ti-Mn, Ti-Sn, Ti-Zr, u.?v.?m; exakte Phasengrenzen (?, ?, ?+?, intermetallische Phasen) mit Temperatur und Konzentrationsangaben; die Grundlage für Legierungsentwicklung: Stabilisierung der ? Phase, Härtbarkeit, Ausscheidungsmechanismen; Dies alles war prozedural unverzichtbar für Wärmebehandlung: Lösungsglühen, Alterungsfenster, ? Transus Temperaturen und hatte damit unmittelbare ökonomische Relevanz: Jet Engine Legierungen, chemische Apparate, Reaktortechnik. Mit ihren Ergebnislieferungen war Molchanovas Bericht für die MG das komplementäre Gegenstück zu den US Air Force Reports (Carew/Crossley/McPherson, Hadley/Bauer/Evers, Levine), die ebenfalls in der Bibliothek vorhanden waren. Und denen zusammen waren die Ergebnisse von Molchanova strategische Grundlagenwerke, die vier zentrale Unternehmensbereiche direkt bedienten. (1.) VDM (Hochleistungslegierungen): die Bewertung internationaler Ti Legierungssysteme; den Vergleich sowjetischer und US amerikanischer Daten; die Orientierung für eigene Legierungsentwicklungen. (2.) Degussa (Metallurgie, Pulvermetallurgie): Phasendiagramme als Basis für Diffusions , Sinter und Ausscheidungsprozesse; Einschätzung von Stabilitätsbereichen intermetallischer Phasen. (3.) Lurgi (Anlagenbau, Reaktortechnik): Werkstoffauswahl für Hochtemperatur und Korrosionsumgebungen; Verständnis der ?/? Stabilität für Schweiß und Umformprozesse. (4.) Chemetall (Oberflächenchemie, Beiz und Passivierungsverfahren): Phasenabhängige Reaktionskinetik; Verhalten von ? und ? Phasen in Beiz und Reinigungsprozessen. |