2., neu bearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage.
Erscheinungsjahr
1927
Ort, Verlag/ Hersteller
Stuttgart: Enke
Seiten
XVII, 470 Seiten, mit 4 Figuren.
Format
24,5 cm, Bibliothekseinband
Gewicht (Gramm)
1050
Sprache
Deutsch
Zustand
gebraucht; gut
Beschreibung
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Halbleineneinband mit montiertem original Deckeltitel. Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Die Erstauflage erschien 1922. Die 1927er-Ausgabe ist wegen der rasanten Entwicklung der Molekülforschung in diesen fünf Jahren die wissenschaftlich bedeutendere Variante. Pfeiffer war einer der renommiertesten deutschen Chemiker seiner Ära. Er war Schüler und Mitarbeiter des Nobelpreisträgers Alfred Werner, dem Begründer der Koordinationschemie. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches (1927) war Pfeiffer ordentlicher Professor und Direktor des Chemischen Instituts der Universität Bonn (vorher in Karlsruhe und Rostock). Nach ihm ist der berühmte Pfeiffer-Effekt in der Stereochemie benannt. (Pfeiffer wies mit diesem Effekt experimentell nach, dass Moleküle sich nicht nur über feste, klassische Atombindungen steuern lassen. Allein die räumliche Nähe und schwache elektrostatische Kräfte - die Nebenvalenzen -reichen aus, um die Struktur und Eigenschaften anderer chemischer Verbindungen in eine gezielte Richtung zu zwingen). In dem vorliegenden Buch beschreibt Pfeiffer systematisch Verbindungen, die nicht durch klassische Hauptvalenzen (Atombindungen), sondern durch Nebenvalenzen (zwischenmolekulare Kräfte, intermolekulare Wechselwirkungen) zusammengehalten werden. Es behandelt molekulare Komplexe, Halochromie-Erscheinungen, Kristallstrukturen als Riesenmoleküle und die damals noch mysteriösen Moleküleinschlüsse (1927 untersuchte Pfeiffer hier bereits erste Clathrate/Käfigverbindungen). Das Ganze war eine Weiterführung von Alfred Werners Koordinationslehre (die ursprünglich für die anorganische Chemie entwickelt wurde) auf die gesamte organische Chemie. Pfeiffer wollte dabei zeigen, dass auch organische Moleküle hochkomplexe Überstrukturen bilden können. Für die Metallspezialisten war die Beherrschung dieses Wissens von Werner und Pfeiffer Alltagsbewältigung: die Folgerungen aus deren ‚Koordinationslehre' waren das Fundament für das chemische Verständnis ihres Flotationsverfahrens bei der Gewinnung von Erzen. Bei der Flotation werden wertvolle Erzminerale von wertlosem Gestein (Gangart) getrennt, indem man die Erze durch chemische Hilfsstoffe (sogenannte Sammler) wasserabweisend (hydrophob) macht, sodass sie an Luftblasen haften und nach oben getragen werden. Die moderne Flotationschemie nutzt dabei Werners und Pfeiffers Prinzipien. Und jetzt wird's Fachchinesisch: die chemischen Sammler (z. B. Xanthate oder Dithiophosphate) fungieren dabei als Liganden (= Liganden sind Atome, Ionen oder Moleküle, die sich direkt an ein zentrales Metallatom oder -ion binden, um eine Koordinationsverbindung (einen Komplex) zu bilden). Die Metallionen (= das sind elektrisch geladene Teilchen, die entstehen, wenn Metallatome (wie Eisen, Kupfer oder Natrium) ihre äußeren Elektronen abgeben) an der Oberfläche des Erzkorns (z. B. Kupfer- oder Blei-Ionen) besitzen ungesättigte Nebenvalenzen, da ihre Gitterstruktur beim Mahlen aufgebrochen wurde. Der Sammler bindet sich koordinativ über eine hochselektive Komplexbildung direkt an dieses Metallzentrum an. Das Wissen um Koordinationszahlen und räumliche Anordnungen ermöglicht es, Sammlermoleküle maßzuschneidern, die exakt auf die Geometrie bestimmter Metallionen passen. Und so funktionierte dann die ‚Kathedrale der Arbeit' am Goslaer Rammelsberg, bei der die Hanglage genutzt wurde um das geförderte Erd/Erz-Gemisch nacheinander durch Becken zu spülen, in denen jeweils unterschiedliche Liganden jeweils verschiedene Metallione banden und an die Oberfläche beförderten, wo sie als einheimischer Devisensparer abgeschöpft wurden. Und hier hatten u. a. die Spezialisten von Lurgi maßgeblich das Wissen von Werner und Pfeiffer in die Praxis umgesetzt.
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