gebraucht; sehr gut - Die vorliegende Monografie zum Wunderbaren als Wissenskategorie in deutschsprachigen Reiseerzählungen um 1200 basiert auf einer Dissertation, die im Rahmen eines Projektes an der Freien Universität Berlin ('Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit') entstand. Das Thema: Mirabiles Wissen, das jeden der drei bearbeiteten Erzähltexten in anderer Weise kennzeichnet, eröffnet transkulturelle Perspektiven auf mittelalterliche deutschsprachige Literatur insbesondere mit Blick auf Wechselbeziehungen zur arabischen Literatur. Quenstedt faßt die Kategorie der Mirabilität als ein »Wissen von Elementen des Wunderbaren, den Objekten der Verwunderung« (S. 2f.), als ein »Wissen über die Verwunderung selbst« (S. 3), sowie als ein »Wissen,das selbst in der Lage ist, Staunen zu machen« (S. 3). Dabei zeicnet sich "dieses ‚mirabile Wissen‘... u. a. durch Bezüge zu Mirabilien-Topoi gelehrter Wissenstraditionen sowie zu mediterranen Literaturen aus, insbesondere zu arabischen Erzähltexten und ihren epistemischen Kontexten." Quenstedt konentriert sich auf drei Texte: (1) Lamprecht, genannt der Pfaffe, war ein mittelrheinischer Dichter von geistlichem Stand, der in der ersten Hälfte des 12. Jahhrhunderts lebte. Als Vorlage seines Alexanderlieds gilt der in frankoprovenzalischem Dialekt verfaßte 'Roman d'alexandre' eines Albéric de Pisancon. Lamprecht hält sich in seiner Erzählung eng an diese Fassung. Seine Geschichte über das Leben Alexanders des Großen war damit die erste schriftlich erhaltene Erzählung in deutscher Sprache über einen nichtbiblischen, weltlichen Gegenstand. Der 'Straßburger Alexander' war eine spätere Überarbeitung und umfangreiche Erweiterung eines unbekannten Autors. Entstehungszeit: um 1170. (2) Der unbekannte Autor des Herzog Ernst (von Bayern) erzählte seine Geschichte vom Aufstand des Herzogs gegen seinen kaiserlichen Stiefvater Konrad II als Versroman um 1180. Dem Aufstand folgte die Flucht auf einen Kreuzzug in den Orient. Wobei der Autor mit Motiven und Szenenbeschreibungen arbeitet, die u. a. an die Geschichten des hl. Brandan erinnern (Brendan lebte in Irland zwischen 484(?) und 577(?), er war Priester und Abt, wurde heiliggesprochen und gilt als einer der 'zwölf Apostel von Irland'). Er ist die Hauptperson der 'Navigatio Sancti Brenani', dem Bericht einer Seereise, die vermutlich im 9. Jahrhundert im keltischen Kulturraum entstand und die abenteuerliche Suche des Heiligen (mit zwölf Gefährten) nach einer mythischen Insel (Terra Repromissionis sanctorum) in 29 Kapiteln beschreibt. In ihrer Rezension (in: Francia recensio, 2022, 3) faßt Sandra Schieweck zusammen: "In komparativer Perspektive kann Quenstedt um 1200 ein besonderes Interesse am Wunderbaren sowohl in der lateinischen als auch arabischenLiteratur feststellen und vielfältige Gemeinsamkeiten und Parallelen hinsichtlich der Thematisierung vom Wunderbaren und seiner Inszenierung wie Geltungsbehauptung herausarbeiten."herausarbeiten." -