gebraucht; gut - Besitzvermerk auf dem Titelblatt - Eine wichtige Quelle für Interessenten an der Entwicklung des Nationalsozialismus zur Fortsetzung der Wissenschaft mit politischen Mitteln. Drei Praeceptoren der faschistischen Eugenik Ihr zweibändiges Gemeinschaftswerk wurde erstmals 1921 veröffentlicht. Die Autoren: Erwin Baur war Professor an der Universität Berlin, Mitherausgeber der Zeitschriften 'Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie' und 'Volk und Rasse'. Seit 1917 war er Vorsitzender der Berliner 'Gesellschaft für Rassenhygiene. 1928 gründete er ein 'Institut für Pflanzenzüchtung'. Baur erfand 1933 zu Demonstrationszwecken das Szenario einer Insel, auf der sich "aufgrund der Auslese durch Greifvögel nach und nach ein optimal angepasstes Kaninchenvolk entwickelte". Und er folgerte: bei der gesellschaftlich nötigen Zuchtwahl und Auslese müsse der Staat die Funktion der Greifvögel übernehmen. Daher freute sich Baur 1933 über schnelle gesetzliche Regelungen: "Sie dürfen überzeugt sein, daß von niemand sonst die Sterilisationsgesetze der Reichsregierung mehr gebilligt werden als von mir, aber damit ist, wie ich immer betonen muß, nur erst ein Anfang gemacht". (zit. nach: Ernst Klee, Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt a. M. 2003, S. 33) Baur starb Ende 1933. Die Erinnerung an ihn ist Teil der bundesrepublikanischen Art der Gedächtnispflege: das heutige Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn Institut) hat seinen Quedlinburger Sitz in der Erwin-Baur-Straße. - Eugen Fischer hatte einen Lehrstuhl an der Universität Freiburg. Auch er war Mitherausgeber der Zeitschrift 'Volk und Rasse'. 1913 zog er die Bilanz einer Forschungsreise nach Deutsch-Südwestafrika: er veröffentlichte seine Untersuchung von 300 niederländisch-afrikanischen Mischlingen. Sein Befund: die besichtigten "Bastarde" waren begabter als die "reinrassige indigene Bevölkerung", verglichen mit der "weißen Rasse" aber minderwertig. Seine Folgerung: "Wenn die "Bastards" irgendwie dem Weißen gleichgesetzt werden, kommt ganz unweigerlich Hottentottenblut in die weiße Rasse". Und Fischer wußte genau: "ausnahmslos jedes europäische Volk, das Blut minderwertiger Rassen aufgenommen hat …, hat diese Aufnahme minderwertiger Elemente durch geistigen Niedergang eingebüsst." (E.. Fischer, Die Rehobother Dastards und das Bastardisierungsproblem beim Menschen. Anthropologische und ethnographische Studien; Jena 1913, S. 302 - ND: Graz 1961!!!) Wie sein Kollege Baur waren für ihn die faschistischen Eugenik-Programme der wissenschaftlich gebotene Weg. Gemeinsam mit 300 Hochschullehrern rief er im März 1933 im 'Völkischen Beobachter' zur Wahl Hitlers auf. Eine der Forderungen: "Die erblich Kranken und rassenmäßig in unser Volk nicht passenden müssen ausgemerzt werden." (zit. nach: Ernst Klee, Personenlexikon zum Dritten Reich, S. 151). - Und auch Fischer ist ein Beispiel für die Kontinuitätswilligkeit der Nachkriegsgesellschaft: Fischer erlebte das Kriegsende als 71jähriger. Nachdem 1947 seine Entnazifizierung gegen eine Zahlung von 300 Mark abgeschlossen war, eröffnete er 1948 als Nestor seines Fachs die erste Tagung der deutschen Anthropologen,1952 wurde er Ehrenmitglied der 'Deutschen Gesellschaft für Anthropologie', im gleichen Jahr Ehrenmitglied in der 'Gesellschaft für Konstitutionsforschung'. (siehe dazu: Horst Ferdinand, Erich Maier, Eugen Fischer; in: Badische Heimat Jg. 1999, Heft 3, S. 699ff.; Achim Bühl, Von der Eugenik zur Gattaca-Gesellschaft; in: ders.(Hg.), Auf dem Weg zur biomächtigen Gesellschaft. Chancen und Risiken der Gentechnik; Wiesbaden, S. 29 - 46) - Fritz Lenz war Schüler Fischers, Nachfolger von Ploetz als Herausgeber des 'Archivs für Rassen- und Gesellschaftsbiologie', erster Inhaber des Münchner Lehrstuhls für Rassenhygiene. Nachdem er sich 1931 mit der Forderung gemeldet hatte, Das "untüchtigste Drittel der Bevölkerung zu sterilisieren", gehörte er im Mai 1933 gehörte er zu den Unterzeichnern des Aufrufs im völkischen Beobachter': 'Elf Münchener Hochschullehrer stellen sich hinter Adolf Hitler'. Als Mitglied des 'Sachverständigenrats für Bevölkerungs- und Rassenpolitik beim Reichsinnenminister' war er an der Formulierung jenes 'Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses' beteiligt, das die von seinem Koautoren Baur freudig begrüßten Nötigungen zu Zwangssterilisierungen regelte. - Und wie seinem Lehrer Fischer ermöglichte ihm die Art der bundesrepublikanischen Vergangenheitsbewältigung eine post-'katastrophale' Fortsetzung seiner Karriere: 1946 wurde Lenz außerordentlicher, später ordentlicher Professor für menschliche Erblehre an der Universität Göttingen, 1949 erhielt er im Entnazifizierungsverfahren seinen 'Entlastungsbescheid'. 1951 riskierte er dann Nachdenklichkeit in seiner Sache und fand seinen Umgang mit den Vererbungsfragen angemessen: "Ich habe Sympathie auch für die Schimpansen und Gorillas, und es tut mir sehr leid, daß sie dem Aussterben entgegensehen wie so viele andere Tierarten und auch sogenannte Naturvölker. Mir ist auch das Schicksal, das Millionen von Juden betroffen hat, sehr schmerzlich; aber das darf uns doch nicht bestimmen, biologische Fragen anders als rein sachlich zu betrachten". ( zit. nach: Ernst Klee, Personenlexikon zum Dritten Reich, S. 367) - Das Buch der Drei erschien erstmals 1921. Die Autoren teilten sich die Arbeit: Baur beschäftigte sich mit der allgemeinen Variations- und Erblichkeitslehre; Fischer beschrieb Rassenunterschiede der verschiedenen Menschengruppen und ihrer 'geistigen' und 'sozialen Stände'; Lenz konzentrierte sich auf 'krankhafte Erbanlagen'. Er war sich dabei sicher, daß das "Zentralproblem der Rassenhygiene", die "Entartung", als "die Neuentstehung und die Ausbreitung krankhafter Erbanlagen" ist . Bereits den zeitgenössischen Rezensenten fiel auf, daß Lenz mit seinen Ansichten das 'Dreimännerbuch' dominierte: Baur verantwortete in der ersten Auflage 73 Seiten, Fischer 66, Lenz 156 und den gesamten zweiten Band. Wobei den Autoren bereits im Vorwort zur ersten Auflage der Hinweis wichtig war, daß der 1. Band selbständig nutzbar war. - Beide Bände waren mit ihrer eugenischen Konfession ein Lesestoff nach dem Geschmack des Festungshäftlings Hitler: er nutzte das Landsberger Bibliotheksexemplar bei der Montage seines 'Kampfes'. Für Fritz Lenz ein Anlaß zum Stolz: er feiert sich 1931 in einem Zeitschriftenartikel über 'Die Stellung des Nationalsozialismus zur Rassenhygiene' als Ideengeber des späteren Führers. (in: Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie 25 (1931), S. 300 - 308) Mit der Etablierung der 'Rassenhygiene' als universitäre Disziplin wurde das 'Drei-Männer-Buch', oder BFL zum 'ehernen Standardwerk'. Nachdem der 2. Band bereits 1932 in vierter neubearbeiteter Auflage erschienen war, folgte 1936 der 1. Band. Eine 5. Auflage war dreibändig geplant: hier erschien 1940 nur eine zweite Hälfte des ersten Bandes unter dem Titel 'Erbpathologie'. Im Vorwort von 1936 wünschen sich die damals verbliebenen Fischer und Lenz zweierlei. Zunächst: "Wir hoffen, wie bisher, die wissenschaftlich oder praktisch wichtigen Forschungsergebnisse der Erblehre des Menschen, brauchbar für Forscher und Ärzte, darzubieten und damit zugleich dem wissenschaftlichen Ausbau dieser Lehre zu dienen." Und dann: "Schließlich hoffen wir, daß unsere Arbeit eine Unterlage sei für eine rassenhygienische, der ungeheuren Verantwortung und Tragweite sich bewußte Bevölkerungspolitik, wie sie endlich der nationalsozialistische Staat als entscheidende Aufgabe für den Bestand und die Rassentüchtigkeit unseres Volkes erkannt hat." (Zur Einordnung und Rezeption des 'Dreimännerbuches' siehe die Dissertation von: Heiner Fangerau, Das Standardwerk zur menschlichen Erblichkeitslehre und Raessenhygiene von Erwin Baur, Eugen Fischer und Fritz Lenz im Spiegel der zeitgenössischen Rezensionsliteratur, Bremen 2000)