gebraucht; gut - gut erhalten, reich illustrierte Ausgabe, mit Schmucktitel, Porträt u. zahlreichen Illustrationen, rote Or.-Lwd. mit reicher Gold- u. Schwarzprägung u. dreiseitigem Goldschnitt, vereinzelte Seiten gering stockfleckig, im Inneren keine Lesespuren. - 1844 hatte Marx in seinen 'philosophisch-ökonomischen Manuskripten' Hegel auf die Füße einer Theorie gestellt, die den Menschen zum Subjekt seiner Geschichte verselbständigte. In den folgenden Jahrzehnten machte er aus der idealistischen Dialektik ein materielles Selbstbehauptungswissen. Debei assistierte Friedrich Engels mit einer soziologisch paradigmatischen Beschreibung der 'Lage der arbeitenden Klasse in England' (1845) Engels' Befund: "Mir ist nie eine so tief demoralisierte, eine so unheilbar durch den Eigennutz verderbte, innerlich zerfressene und für allen Fortschritt unfähig gemachte Klasse vorgekommen wie die englische Bourgeoisie. […] Für sie existiert nichts in der Welt, was nicht nur um des Geldes willen da wäre, sie selbst nicht ausgenommen, denn sie lebt für nichts, als um Geld zu verdienen, sie kennt keine Seligkeit als die des schnellen Erwerbs, keinen Schmerz außer dem Geldverlieren. […] Und wenn der Arbeiter sich nicht in diese Abstraktion hineinzwängen lassen will, […] wenn er sich einfallen läßt zu glauben, er brauche sich nicht […] als Ware im Markte kaufen und verkaufen zu lassen, so steht dem Bourgeois der Verstand still. Er kann nicht begreifen, daß er mit den Arbeitern noch in einem andern Verhältnis steht als in dem des Kaufs und Verkaufs, […] er erkennt keine andere Verbindung, wie Carlyle sagt, zwischen Mensch und Mensch an, als bare Zahlung." (MEW 1, S. 486f.) In dieses England kam Leo XIII. als Kardinal Pecci 1845. Er war im Zentrum der anglikanischen Kirche als katholischer Würdenträger willkommen: er war zuvor an dem Heiratsarrangement zwischen der Königin von England und dem Neffen des belgischen Königs beteiligt gewesen. Wie Engels erlebt auch der Erzbischof den gewaltigen Abstand zwischen den einzelnen Volksklassen: "die untern Klassen in hoffnungslose Armuth und in die entwürdigendste Unwissensheit und Lasterhaftigkeit versunken, dicht neben dem ungeheuren Reichthum der obern Klassen, die den Grund und Boden fast ganz zu eigen besassen und die wichtigsten Staatsämter unter ihre Söhne vertheilten, als wären dieselben ihr ausschließliches Erbe; ...In solchem Gegensatze, fast wie zwei Völker in einem Volke, standen die verschiedenen Klassen sich einander kalt und feindseilig gegenüber". (O'Reilly, S.77) Der Unterschied: Engels skandalisiert als Logik des kapitalistischen Systems, was der Katholik als individuelle Verfehlung demoralisiert. Für den Festschreiber O'Reilly waren die Englandeindrücke Peccis nachhaltig: der spätere Papst (1878 - 1903) hatte "die grossen socialen, politischen und religiösen Fragen, von deren Lösung die Zukunft der Civilisation abhängt, aus eigener Anschauung kennen" gelernt. (S.XX) O'Reilly erlebte dann als Bischof von Liverpool (1873 - 1894), dass sein römischer Dienstherr seine Erinnerungen zum Kirchenprogramm konfessionalisierte: 1891 verkündete er in einer ersten vatikanischen Enzyklika 'Rerum Novarum' seiner Menschheit soziale Leitlinien. Als Punkt 23: "Die Fürsorge der Kirche geht indessen nicht so in der Pflege des geistigen Lebens auf, daß sie darüber der Anliegen des irdischen Lebens vergäße. Sie ist vielmehr, insbesondre dem Arbeiterstande gegenüber, vom eifrigen Streben erfüllt, die Not des Lebens für ihn auch nach der materiellen Seite zu lindern und ihn zu besseren Verhältnissen zu erheben. Schon durch ihre Anleitung zur Sittlichkeit und Tugend fördert sie zugleich das materielle Wohl; denn ein geregeltes christliches Leben hat stets seinen Anteil an der Herbeiführung irdischer Wohlfahrt; es macht Gott, welcher Urquell und Spender aller Wohlfahrt ist, dem Menschen geneigt, und es dringt zwei Feinde zurück, welche allzu häufig mitten im Überflusse die Ursache bittern Elends sind, die ungezügelte Habgier und die Genußsucht; es würzt ein bescheidenes irdisches Los mit dem Glücke der Zufriedenheit, spendet in der Sparsamkeit einen Ersatz für die abgehenden Glücksgüter und bewahrt vor Leichtsinn und Laster, wodurch auch der ansehnlichste Wohlstand oft so schnell zugrunde gerichtet wird." (zit nach: http://198.62.75.1/www1/overkott/rerum.htm) Nach katholischem Selbstverändnis war dies "das grundlegende Dokument der katholischen Soziallehre". Unter der Überschrift 'Mutter aller Sozialenzykliken' feiert die katholische Nachrichtenagentur den 125. Jahrestag. Der Autor hebt dabei hervor: Leo XIII. warnt davor, den Begriff "christliche Demokratie", der lediglich das "mildtätige christliche Handeln für das Volk" bezeichnen könne, "in das Politische zu verdrehen". (2006) Und in diesem Sinne denkt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münchner Kardinal Reinhard Marx weiter. Sein sytemkritischer 'Kompass': "Was ist dem Menschen gemäß, was fördert ihn und führt ihn zu wahrer Freiheit? Alle Organisationsformen von Wirtschaft und Gesellschaft sind daran zu messen, ob sie der personalen Würde und Freiheit des Menschen zugutekommen oder sie eingrenzen." (zit. nach: ttp://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/reinhard-marx-die-soziallehre-als-kompass-1883756-p3.html) Die Fronten haben sich seit 1891 nicht verändert: statt Klassenkampf katholische Anstandsmenschlichkeit.O'Reillys' Festschrift ist vermittelt eine Vorstellung von dem Mann, der die Haltung der katholischen Gegenwart maßgeblich beeinflusste. Vor allem in der Frage: wie konstituiert sich die Kirche mit ihrer Verwurzelung im Bestehenden gegenüber dem Veränderungswillen revolutionärer Gesellschaftskritiker. Und Leo XIII war in seiner Zeit ein europaweit be- und geachteter Akteur. In Meyers Konversations-Lexikon von 1897 wurde der Anlass zu der vorliegenden Festschrift gewürdigt:"Als er 31. Dez. 1887 sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum feierte, wurde er von fast allen Herrschern Europas beglückwünscht und beschenkt; große Festlichkeiten wurden abgehalten, eine Ausstellung kirchlicher Kunstwerke im Vatikan eröffnet, und eine bedeutende Anzahl von Pilgern aus allen Ländern der Welt huldigte dem Papst." (Meyers Konversations-Lexikon; 5. gänzl. Neubearb. Aufl.; 11. Band; Leipzig und Wien 1897, S.228)