VIII, 254 Seiten, nebst VI großen Falttafeln und 42 Abbildungen im Text.
Format
Gz.
Gewicht (Gramm)
300
Sprache
Deutsch
Zustand
gebraucht; aktzeptabel
Beschreibung
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Vorsatzblatt im Falz eingerissen.Innen sauber und ohne Anstreichungen.Professor Bruno Possanner von Ehrenthal (1879–1942) war österreichisch-deutscher Chemiker und Speuialist für wissenschaftlichen Papierprüfung und Zellstofftechnologie in der Zwischenkriegszeit. Als langjähriger Leiter der Versuchsanstalt für Papierprüfung in Köthen beteiligte er sich am Wandel der Papierfabrikation zur exakten Ingenieurwissenschaft. Sein Buch Das Buch behandelt die gesamte Kette der Papier- und Celluloseerzeugung chemisch und mechanisch. Dargestellt werden der Holzaufschluss (Sulfit- und Sulfatverfahren), das Bleichen von Zellstoff, die Rückgewinnung von Kochlaugen, die Füll- und Leimstoffe sowie die exakte physikalische Papierprüfung (Reißlänge, Berstdruck, Faseranalyse). Der geschichtliche Hintergrund: Im Jahr 1923 (auf dem Höhepunkt der Hyperinflation) war Holz Mangelware. Die Industrie suchte nach mathematisch und chemisch optimierten Methoden, um aus minderwertigen Hölzern und Faserresten reißfeste Papiere und industrielle Isolierstoffe herzustellen. Bei alledem war die MG-Tochter Lurgi mitten im Geschäft: bei der Zellstoffherstellung fielen große Mengen an hochkorrosiver, umweltschädlicher Sulfit-Ablauge an. Lurgi projektierte Anfang der 20er Jahre weltweit wegweisende Eindampfanlagen und Verbrennungsöfen zur Laugen- und Schwefelrückgewinnung für die Zellstoffindustrie. Um diese Chemieapparate exakt auf die hochkomplexen organischen Bestandteile der Lauge abzustimmen, brauchten die Lurgi-Konstrukteure Possanners präzise chemische Kennzahlen. Über ihren Handel mit Kupfer und Kabel war auch die MG von Qualitätsfragen in Sachen Papier betroffen: im Hochspannungs-Kabelbau der 1920er Jahre war Papier das wichtigste Isolationsmaterial. Die Kabel wurden mit Spezialpapieren umwickelt und mit Öl getränkt. Die Qualität dieser Papiere entschied über Kabelbrüche und Netzsicherheit. Die MG-Händler mussten Possanners Methoden zur Papierprüfung beherrschen, um die Spezifikationen ihrer Industriepartner zu kontrollieren. Schließlich war die Verwertung von Nebenprodukten (Schwermetalle und Katalysatoren) ein MG-Geschäftsinteresse: die Celluloseindustrie benötigte große Mengen an Chemikalien (z.B. Chlor zur Bleiche). Gleichzeitig fielen Nebenprodukte an, die für die Metallurgen der MG (im Verbund mit den konzerneigenen Hütten und Laboratorien) zur Verwertung oder als Marktindikator für den Schwefel- und Chlormarkt von strategischem Interesse waren.
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