gebraucht; gut - Ohne Schuzumschlag. - Pitigrilli war ein Pseudonym, Klarname: Dino Segre (1893 - 1975), promovierter Rechtswissenschaftler, Schriftsteller, Journalist. Er wurde in den 1920er und 1930er Jahren als Verfasser von lange Zeit umstrittenen und vielfach verbotenen Büchern bekannt. Zum Beispiel 'Kokain': der Roman war ein Bestseller und wurde in kurzer Zeit in 20 Sprachen übersetzt. Der Vatikan und das deutsche Reich entschieden sich für Verbote: der Vatikan per Index librorum prohibitorum der Kongregation für die Glaubenslehre, das nationalsozialistische Reich setzte den Roman am 18. Juli 1933 die Liste der Schund- und Schmutzliteratur. Am Rande: unter Berufung auf diese Entscheidung indizierte auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) 1954 das Buch. Eine Entscheidung, die das Verwaltungsgericht Köln bestätigte, da das Buch geeignet sei, die Phantasie junger Menschen "in ungesunder Weise sexuell zu erregen". 1988 sprach die BPjS erneut eine Indizierung aus, gegen die sich dann der Rowohlt Verlag erfolgreich wehrte. Während Rowohlt 1988 noch 9 Jahre später streiten mußte, hatte der österreichische Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel bereits 1979 im damaligen Münchner Verlag Matthes & Seitz für eine Neuauflage von 'Kokain' gesorgt. Mit einem umfangreichen Nachwort. Der Titel: "Lebenssehnsucht und Sucht. Abschweifungen zu Pitigrillis Roman 'Kokain'". Der Spiegel feierte am 30.12.1979 diese Wiederentdeckung: "Im Jahre 1921 erschien ein Roman mit dem Titel "Kokain", geschrieben von einem 28jährigen Italiener, der sich "Pitigrilli" nannte. Unter diesem nom de plume und mit einem Schub weiterer Werke brachte er es in den 20er Jahren zu einer Fama des Berüchtigten, Frivolen, Nihilistischen, Subversiven und zu Übersetzungen in 20 Sprachen. Pitigrilli, ein Name aus Zirkus und scharfer Würze, ist wieder da -- rechtzeitig zu der in der Bundesrepublik anbrausenden Kokain-Welle: Vor allem Künstlern der Film- und Musikbranche ist das weiße Pülverchen ein liebes Stimulans geworden; der Münchner Matthes & Seitz Verlag, Spezialist für verschollene Trüffeln, hat Pitigrillis "Kokain" neu zum Beschnüffeln aufgelegt nach der deutschen Ausgabe der 20er Jahre, die damals auf die "Schund und Schmutz"-Liste geraten war." Die Übersetzerin ins Deutsche war auch in der von Weibel betriebenen Wiederauflage Maria Gagliardi (1858 - 1928): eine in den zwanziger Jahren gefragte Übersetzerin italienischer Literatur. Sie übertrug neben Pitigrills damaligen Schriften Werke bekannter Autoren wie u. a. Gabriele D'Annunzio (z. B. Der Unschuldige, 1896) und Antonio Fogazzaro. Von Pitigrilli alle Titel bis 1929: Mammiferi di lusso. 1920 (Luxusweibchen. 1925/1953); La cintura di castità. 1921 (Der Keuschheitsgürtel.1928); Cocaina. 1921 (Kokain. Roman. 1927); Oltraggio al Pudore. 1922 (Der falsche Weg.1928); La Vergine a 18 carati. 1924 (Die Jungfrau von 18 Karat.1927). Der Spiegel-Rezensent faßte zusammen: "'Kokain' ist ein böses, witziges, auch triviales Buch, schnittig und schneidend geschrieben, voll klirrendem Hohn auf den Menschen, gespickt mit schwefligen Bonmots vor allem über Frauen und Journalisten." Um so überraschender war die Mitarbeit Maria Gagliardis: sie war die Tochter der feministischen Schriftstellerin Hedwig Dohm.