gebraucht; sehr gut - Besitzervermerk a. Vortitel; sehr gut - Es geht um Quellenkritik. Als Logienquelle Q (auch Rede- oder Spruchquelle oder kurz Q für „Quelle“) wird ein Text bezeichnet, der den Autoren des Matthäus- und des Lukasevangeliums neben dem Text des Markusevangeliums als zweite Quelle vorgelegen haben soll. Die Annahme: dieser handschriftliche Text in griechischer Sprache hat vor allem sogenannte 'Logien' (Aussprüche von Jesus) aus dem Umfeld judenchristlicher Wanderprediger oder „Dorfschreiber“ in und um Galiläa enthalten. Es sind keine eigenständigen Abschriften oder Teil-Abschriften von Q bekannt. Diese Texthinterfragung hat einen grundlegenden Sinn: Siegfried Schulz geht bei seiner Nachlese von der Beobachtung aus, dass das Neue Testament voller theologischer „Missverständnisse, Fehlentwicklungen und Irrwege“ sei. Zu diesen gehöre eine „frühkatholische „Gesetzes-, Verdienst- und Leistungsethik“. Diese rechtfertige nicht den Sünder, sondern den Frommen und sei damit ein „Abfall vom Evangelium“. Schulz findet dies in der Mehrzahl der neu-testamentlichen Bücher: in den synoptischen Evangelien, in den johanneischen Schriften, in den katholischen Briefen und im Hebräerbrief. Auch das Apostolische Glaubensbekenntnis betrachtet Schulz als Produkt dieser verfehlten (frühkatholischen) Aussagen der Bibel. Als den „Kanon im Kanon“ bzw. das Wort Gottes, an dem die übrige Bibel zu messen sei, identifiziert Schulz das ursprüngliche Christusevangelium des Apostels Paulus. Schon in den umstrittenen Paulusbriefen (2 Thess, Kol, Eph, Past) und der Apostelgeschichte sei aber auch das paulinische Evangelium frühkatholisch verfremdet worden. Und selbst die echten Paulusbriefe seien frühkatholisch redigiert worden. Für die kirchliche Praxis fordert Schulz, durchaus auch über die problematischen, frühkatholischen Texte zu predigen. Dabei sei zunächst „ohne jede Abschwächung die falsche Theologie dieser Texte herauszuarbeiten, um sie anschließend im Namen des paulinischen Evangeliums „gegen den Text“ sachkritisch zurückzuweisen." Der protestantische Gießener Professor für den Fachbereich Neues Testament, Armin Daniel Baum, nimmt in seinem Aufsatz 'Schriftenkanon oder „Kanon im Kanon“? Warum wir uns an die ganze Bibel halten sollten' zur Position seines Züricher Glaubensbruders und Kollegen Stellung: Die Kritik des Gießeners Baum: "Die Vertreter eines „Kanon im Kanon“ wenden bei der Identifizierung theologischer Widersprüche im Neuen Testament überspitzte Maßstäbe an. Insofern gehen sie von fragwürdigen exegetischen Voraussetzungen aus: Die massiven theologischen Widersprüche, die Käsemann, Schulz und andere im Neuen Testament identifiziert haben, beruhen auf einer starken Überzeichnung. Im Neuen Testament wird weder eine Rechtfertigung des Frommen noch eine Verdienstethik gelehrt oder befürwortet.“ Sein katholischer Kollege Hans Küng liege daher ganz richtig, wenn er bei den (protestantischen) Verfechtern eines „Kanons im Kanon“ eine „Hyperkritik“ beobachtete. Diese überzogene Kritik habe „am Aufstöbern von Gegensätzlichkeiten mehr Gefallen als am Aufspüren einer tieferen Einheit im Gesamtkontext der Schriften“.