Einführung in die Petrolchemie
(Art.Nr.: 169869)
| Bestellnummer | 169869 |
| ISBN / EAN | - |
| Person / Körperschaft | Asinger, Friedrich |
| Titel | Einführung in die Petrolchemie |
| Untertitel | - |
| Auflage | - |
| Erscheinungsjahr | 1959 |
| Ort, Verlag/ Hersteller | Berlin : Akademie-Verl. |
| Seiten | XIV, 428 S., 2 Falttaf.; mit 187 Abb. (Fließbilder von Industrieanlagen, Apparateskizzen) und 131 detaillierte Tabellen zu physikalischen und chemischen Stoffeigenschaften. |
| Format | Lw. |
| Gewicht (Gramm) | 350 |
| Sprache | Deutsch |
| Zustand | gebraucht; aktzeptabel |
| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Einband leicht verzogen. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Ein Buch, bei dem wir uns zunächst an den Autor erinnern sollten, der diese Einführung mitten in einem turbulenten Leben veröffentlichte. Geboren in Österreich (1907) promovierte er in Wien und begann anschließend beim dortigen Chemie- und Farbstoffbetrieb Koreska seinen beruflichen Weg, den er 1937 als Forschungschemiker in Leuna fortsetzte. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits NSDAP-Mitglied - eine Tatsache, die später als Grund für eine Zwangsverwendung herhalten mußte. 1943 habilitierte er sich, 1944 wurde er Dozent in Halle - eine Stelle, die er als Mitläufer 1945 verlor. Im Oktober 1946 entdeckten die sowjetischen Besatzer ihr Interesse an Asinger: er war 1944/45 in Leuna an Stickstoff- und Schwefelchemie, Heterocyclen, Treibstoff- und Sprengstoffchemie beteiligt und mit diesen Kenntnissen als Treibstoff- und Synthesechemiker ein Fachmann der Wahl. Im Rahmen der Operation Ossawakim wurde er zusammen mit 34 Leuna-Chemikern in die UdSSR verschleppt - nach Dserzhinsk bei Gorki. Dort arbeitete er als Gruppenleiter für Raketentreibstoffe. Nach acht Jahren Deportation kehrte Asinger 1954 nach Deutschland zurück und arbeitete wieder in Leuna. 1955 wurde er Professor in Halle, 1958 folgte ein Ruf an die TH Dresden. Dort war er bei der Herausgabe eines spektakulären Buchprojekts der Initiator: das 'Organikum' (Untertitel: Organisch-chemisches Grundpraktikum) war das unbestrittene Standardwerk und der bekannteste Leitfaden für die präparative organische Chemie im deutschsprachigen Raum. Mit seinem ersten Erscheinen im Jahr 1962 verband es theoretische Reaktionsmechanismen mit präzisen, praxiserprobten Synthesenvorschriften und Sicherheitsanweisungen für die Laborarbeit. Auf Anregung Asingers wurde das Buch von einem Autorenkollektiv der Technischen Universität Dresden entwickelt. Es etablierte sich trotz der deutschen Teilung schnell als Standardwerk auch im Westen und brachte der DDR durch Lizenzverkäufe erhebliche Devisen ein. Es war ein Welterfolg: es wurde in elf Sprachen übersetzt und brachte es auf eine Gesamtauflage von weit über 400.000 Exemplaren. Asinger war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits weg: er hatte 1959 seine österreichische Staatsbürgerschaft genutzt und war als Professor für Technische Chemie und Petrolchemie nach Aachen gewechselt. Im gleichen Jahr erschien unser Buch des neu-Aacheners in einem renommierten DDR-Verlag. Es war das gesammeltes Wissen zur Petrolchemie, das er vor seinem Grenzwechsel als Manuskript nach Berlin geliefert hatte und dessen Veröffentlichung trotz der Republikflucht des Autors politisch erwünscht war. Ein Blick in das Buch zeigt, was es so wichtig machte: das Buch schloss die Lücke zwischen reiner akademischer organischer Chemie und der angewandten Verfahrenstechnik. Es ging um vier Themenkomplexe. (1) Rohstoffbasis und physikalische Trennung. Dabei: die Untersuchung der chemischen Zusammensetzung verschiedener Erdöle und Erdgase (Paraffine, Naphthene, Aromaten); Verfahren der Primärverarbeitung wie die atmosphärische und Vakuumdestillation. (2) Thermische und katalytische Crackverfahren. Dabei: die chemischen Mechanismen beim Aufspalten langkettiger Kohlenwasserstoffe zu kurzkettigen Gasen (Olefinen); die technische Umsetzung des thermischen Crackens, katalytischen Crackens und des Reforming-Prozesses zur Gewinnung von Klopfschutz-Benzinen. (3) Veredelung und Funktionalisierung (Derivatisierung). Dabei: Wege, wie aus einfachen petrochemischen Grundbausteinen (wie Ethylen, Propylen, Butadien und Benzol) Folgeprodukte entstehen; technische Verfahren zur Chlorierung, Nitrierung, Oxidation, Sulfonierung und Hydrierung von Kohlenwasserstoffen. (4) Synthese von Endprodukten. Dabei: Wege zur Herstellung von Kunststoffen (Polyethylen, Polystyrol), synthetischem Kautschuk, Waschmitteln (Tensiden) und Lösungsmitteln. Die damalige Besonderheit der Verfahrensbeschreibungen Asingers: er erklärte minutiös, wie man Nebenreaktionen unterdrückt, Katalysatoren optimal einsetzt und Stoffkreisläufe im Werk schließt. Zudem berücksichtigte er die thermodynamischen und kinetischen Gesetzmäßigkeiten der Reaktionen unter Hochdruck- und Hochtemperaturbedingungen. An alledem gab es mindestens zwei Interessenten: den wissenschaftlichen Beratern der damaligen DDR-Führung lieferten die exakten verfahrenstechnischen Anleitung das Wissen, um die Rohöleinspeisungen aus der Sowjetunion (über die geplante "Freundschaft"-Pipeline) in hochwertige chemische Produkte umzuwandeln. Für die MG und ihre Töchter war Asingers Buch ein ‚strategischer Kernband': Die MG war im Mineralölhandel, in der Schmierstoffchemie und über Lurgi im Apparatebau für Crack , Reforming und Hydrieranlagen aktiv. Die petrolchemischen Grundlagen bestimmen: Rohstoffbewertung, rozessführung, Katalysatorwahl, Apparateauslegung, Laboranalytik. Bei alledem lieferte Asinger die wissenschaftliche Basis. |
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