(= Chemie und Technik der Gegenwart, herausgegeben von Dr. Walter Roth, Band VI).
Auflage
-
Erscheinungsjahr
1926
Ort, Verlag/ Hersteller
Leipzig : S. Hirzel
Seiten
XII, 492 Seiten mit 97 Abbildungen im Text und auf 3 Tafeln.
Format
Lw.
Gewicht (Gramm)
600
Sprache
Deutsch
Zustand
gebraucht; gut
Beschreibung
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Valentin Hottenroth war Industriechemiker und dabei Spezialist für Cellulosechemie. Er war über Jahrzehnte hinweg in den Laboratorien der Waldhof-Zellstoffwerke tätig und dort maßgeblich an der Optimierung des Viskoseverfahrens beteiligt. Sein Buch versuchte eine Gesamtschau über die Herstellung künstlicher Fasern im frühen 20. Jahrhundert. Dabei beschrieb Hottenroth die damals konkurrierenden Verfahren: Die Viskoseseide, die Kupferoxydammoniakseide, die Kollodiumseide und die neu aufkommende Celluloseacetatseide. Er erklärte die chemische Aufbereitung des Holzstoffs (Cellulose), die Physik der Spinndüsen, das Reifen der Viskose sowie die anschließende Veredelung und Färbung. Der Hintergrunf: in den 1920er Jahren explodierte der globale Markt für Kunstseide (Rayon). Sie war der erste massentaugliche, synthetische Ersatz für die extrem teure Naturseide. Die deutsche Industrie suchte nach Wegen, die Produktion zu beschleunigen und die Fasern reißfester zu machen. In der Folge gab es dringende Nachfrage nach Edelmetall-Spinndüsen. Um Kunstseide herzustellen, mußte die flüssige Cellulose unter gewaltigem Druck durch haarfeine Düsen gepresst werden. Diese Spinndüsen kamen permanent mit hochaggressiven Chemikalien (Säuren und Laugen) in Kontakt. Normale Metalle korrodierten sofort. Die Düsen mussten daher aus hochkarätigen Platin-Gold-Legierungen oder Palladium-Mischungen gefertigt werden. Die MG – engstens verzahnt mit der Frankfurter Degussa – war der Hauptlieferant für diese extrem teuren Edelmetallkomponenten. Hottenroths Buch verriet der MG exakt, welche mechanischen und chemischen Ansprüche die Kunstseidenindustrie an diese Spinndüsen stellte. Zugleich war die MG mit der Bereitstellung bon Schwefelkohlenstoff und ihrem Chemikalienhandel im Geschäft: das dominierende Viskoseverfahren benötigte gewaltige Mengen an Schwefelkohlenstoff (zur Xanthogenierung der Cellulose) und Natronlauge. Die MG handelte über ihre Chemikalien- und Rohstoffabteilungen im großen Stil mit diesen industriellen Grundstoffen. Das Buch Hottenroths lieferte das Wissen, das es ermöglichte, den Chemikalienbedarf der rasant wachsenden Kunstseidengiganten (wie der Glanzstoff-Courtaulds oder I.G. Farben) präzise zu kalkulieren. Schließlich war man beim Anlagenbau für Säurerückgewinnung im Geschäft. Beim Spinnprozess fielen riesige Mengen an verunreinigten sauren Fällbädern an. Die MG-Tochter Lurgi projektierte genau in diesen Jahren die ersten industriellen Kristallisations- und Eindampfanlagen, um diese Spinnsäuren zu reinigen und im Kreislauf zurückzugewinnen. Hottenroths verfahrenstechnische Daten waren für die Lurgi-Konstrukteure Geschäftsgrundlage..
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