Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Einband fleckig, Papier gebräunt.Dieses Buch von 1921 führt mitten in das wirtschaftliche Chaos und die drückende Rohstoffnot der frühen Weimarer Republik. In dieser Nachkriegszeit war das Wissen unsers Buches für die MG lebenswichtig. Man war dabei aus der Kriegswirtschaft und der Seeblockade zu lernen. Während des Ersten Weltkriegs war Deutschland komplett von der weltweiten Naturkautschuk-Versorgung abgeschnitten. Das hatte katastrophale Folgen für die Industrie. Vaas lieferte 1921 eine erste, schonungslose Bestandsaufnahme und statistische Analyse darüber, wie stark die deutsche Kautschuk- und Kabelindustrie gelitten hatte und wie der Wiederaufbau unter den Bedingungen des Versailler Vertrages gelingen konnte. Dabei hatte er u. a. die Kabelindustrie und den Metallabsatz im Blick: Kautschuk war der unersetzliche Isolationsstoff für die Elektro- und Kabelindustrie. Die MG war über Beteiligungen (wie die Bergmann-Elektricitäts-Werke oder die Kabel- und Metallwerke Neumeyer) einer der größten Akteure im deutschen Kabelmarkt. Indem Vaas die Kapazitäten, Standorte (wie das Kautschukzentrum Berlin) und Absatzmärkte der Gummiindustrie analysierte, lieferte er der MG eine exzellente Marktstudie für deren eigene Kupfer- und Bleiprodukte (Bleimäntel für Kabel). Zugleich diskutiert er das Problem des Altgummi-Recyclings (Regenerat): Da Rohkautschuk 1921 unbezahlbar und Devisen knapp waren, untersucht Vaas intensiv die wirtschaftliche Bedeutung von Kautschuk-Regeneraten (Recycling von Altgummi). Für die verfahrenstechnische Forschungsabteilung der MG und der Lurgi war dies eine Kernfrage: Konnte man durch neue chemische oder thermische Trennverfahren aus alten Reifen wieder vollwertige Industrierohstoffe gewinnen? Schließlich informiert Vaas über den Stand der Erforschung des Synthesekautschuks: Die deutsche Industrie suchte nach Wegen, sich vom britischen und brasilianischen Naturkautschuk-Monopol zu lösen. Vaas dokumentiert den wirtschaftlichen Status quo dieser Bemühungen. Für die MG war dieses Buch mit alledem das strategische Fundament, um zu entscheiden, in welche chemischen Ersatzstoff-Forschungen sie investieren musste, bevor Jahre später die I.G. Farben den „Buna“-Synthesekautschuk zur Marktreife brachte. Zusammengefaßt: unser Buch war eine wirtschaftshistorische Schlüsselstudie zur deutschen Nachkriegs-Rohstoffkrise. Umfassende Strukturanalyse und Statistik der deutschen Gummi-, Asbest- und Kabelindustrie nach dem Ersten Weltkrieg. Unverzichtbares wirtschaftsstrategisches Referenzwerk für den MG-Metallhandel und die Lurgi-Verfahrenstechnik zur Marktbeobachtung der Elektroindustrie und zur Erforschung von Recycling- und Ersatzstoffen. Dieses Buch trägt den originalen Stempel der Literarischen Abteilung von 1921 trägt. Es dokumentiert damt, daß der damalige Kopf der Bibliothek, Dr. Euler, und sein Team die akute Rohstoffkrise der Republik in Echtzeit analysierten.
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