(= Werkstattbücher für Betriebsbeamte, Vorarbeiter und Facharbeiter, Heft 10).
Auflage
3., neu bearbeitete Auflage des Heftes "Kupolofen-Betrieb" von Carl Irresberger (11.-16. Tausend)
Erscheinungsjahr
1942
Ort, Verlag/ Hersteller
Berlin, Springer
Seiten
71 Seiten, mit 63 Abbildungen und 15 Tabellen im Text
Format
23 cm, Broschiert
Gewicht (Gramm)
150
Sprache
Deutsch
Zustand
Sammlerstück; aktzeptabel
Beschreibung
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Papier feuchtwellig.Ein ereignis-, wirtschafts-, industriegeschichtlich spannendes Dokument. Der ereignisgeschichtliche Hintergrund: Nach dem Unfalltod von Fritz Todt übernahm Albert Speer im Februar 1942 das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition. Er reorganisierte die Wirtschaft grundlegend. Die Entscheidungshoheit ging zurück in die Konzerne: die Alleinentscheidung durch die militärische Bürokratie wurde durch Industriellenausschüsse ersetzt, die die Produktionsziele und -abläufe steuerten. Der Effekt: trotz Rohstoffmangels vervielfachte sich der Ausstoß an Flugzeugen, Panzern und Munition - bis zum Produktionspeak 1944. Wirtschaftsgeschichtlich markierte diese Wende den Übergang zur "Tiefenrüstung" und durch die Mobilisierung aller industriellen Kräfte stieg die Rüstungsproduktion. Industriegeschichtlich bedeutete dies für die gleichgeschaltete MG: sie war über die Reichsvereinigung Eisen (RVE) Teil der zentral gelenkten Montanindustrie. Und die hatte es nicht nur mit Rohstoff-, sondern auch mit Arbeitskräftemangel zu tun. Beim Faktor Arbeit half man sich mit dem Übergriff auf Zwangsarbeiter aus Kz's, Gefängnissen, Lagern. Und hier lieferte Mehrtens Heft standardisierte, klar strukturierte Betriebsanweisungen, die Vorarbeiter und Facharbeiter brauchten, um ungelernte - und zunehmend zwangsverpflichtete - Arbeitskräfte im Schmelzbetrieb sicher einsetzen zu können. Beim Rohstoff halfen Übergriffe auf zivile Metalle aller Art, die zu schmelzen waren. Mit den Schwierigkeiten, dieses Alteisen durch Schmelzen verarbeitungsfähig zu machen, beschäftigt sich unser Heft: es schulte zum Umgang mit dem Kupolofen (dem klassischen Gießerei-Schachtofen), der für das Umschmelzen von Roheisen und Schrott zu Gusseisen genutzt wird. Es behandelte dabei Ofenprofile, Ausmauerung (feuerfeste Stoffe), die Berechnung des Winddrucks (Luftzufuhr) sowie das exakte Dosieren der Sätze (Mischung von Koks, Eisen und Zuschlägen). Das Ziel: Reine, schnörkellose Effizienzsteigerung. 1942 bedeutete dies primär: Kokseinsparung (Brennstoff war extreme Mangelware) und die Vermeidung von Gussfehlern, um kriegswichtiges Material nicht durch Ausschuss zu vergeuden. Die MG war seit der Verhaftung und folgenden Flucht Mertons unter regimefixierter Führung Mitglied der montanen ‚Reichsvereinigung': für sie war demnach die Kenntnisnahme des Heftchens Pflicht. Überraschend ist, daß dieses Druckerzeugnis, als Funktionsliteratur für Vorarbeiter den Einsatz von Zwangsarbeitern, praktikabel zu machen, bis zur Bibliotheksauflösung 1994 seinen Regalplatz hatte.
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