gebraucht; gut - Umschlag randrissig, Papier gebräunt. - Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beauftragten Mitscherlich 1946 die Ärztekammern der drei Westzonen mit der Leitung einer Kommission zur Beobachtung der „NS-Ärzteprozesse“ in Nürnberg. Die vorliegende Veröffentlichung, 'Das Diktat der Menschenverachtung', war ein erster Zwischenbericht. Der habilitierte Mediziner Mitscherlich und der Medizinstudent Mielke schrieben auf einem Vorblatt 'an den Leser': "Die Herausgeber, denen es fern liegt, sich über einen einzigen dieser Männer selbstgerecht zu erheben, wollen niemanden in den Augen seiner Mitmenschen anklägerisch belasten, denn die Jahre des Unheils haben uns alle genug in Schuld verstrickt und es geht nunmehr darum, eine Brücke zur tieferen Einsicht zu finden. Nicht Anklage, sondern Klärung, nicht Verfemung, sondern Eröffnung eines gemeinsamen Weges in die Zukunft, in der uns bei aller Not wenigstens die Selbsterniedrigung erspart bleiben möge, ist deshalb die Absicht dieser Chronik“. Dennoch gab es heftige fachliche, juristische und persönliche Reaktionen aus den Reihen der durch Mitscherlich vertretenen Ärzteschaft. Die Folgen für die Abfassung des Schlußberichts waren nachlesbar. 1949 erschien 'Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Medizinische und Eugenische Irrwege unter Diktatur, Bürokratie und Krieg'. Vorab ein Bekenntnis der organisierten Ärzteschaft: "die Herausgabe dieses Berichtes der von der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern entsandten Deutschen Ärztekommission beim I. Amerikanischen Militärgerichtshof, Nürnberg erfolgte im Auftrage und entsprechend dem Beschluß des 51. Deutschen Ärztetages am 16. und 17. Oktober 1948 in Stuttgart.“ Und dann die Feststellung, mit den Informationen des Buches werde restriktiv umgegangen: „die erste Auflage in Höhe von 10.000 Exemplaren ist lediglich für die Westdeutschen Ärztekammern bestimmt.“ 1960 wurde 'Wissenschaflichkeit ohne Menschlichkeit' neu aufgelegt. Aus diesem Anlaß erinnerte sich Mitscherlich an die Wirkung der 1. Auflage: ... nahezu nirgends wurde das Buch bekannt, … Es war und blieb ein Rätsel – als ob das Buch nie erschienen wäre." Über das Schicksal des Buches herrscht bis heute Unklarheit. Mitscherlich vermutete, es sei von den Ärztekammern "in toto aufgekauft" worden, denn alle Exemplare seien "kurz nach dem Erscheinen aus den Buchläden verschwunden“. (zit. nach: Jürgen Peter: Der Nürnberger Ärzteprozeß …; Münster, 1994, S. 65).