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Colloidal electrolytes. A general discussion.
Colloidal electrolytes. A general discussion.
(Art.Nr.: 169852)
| Bestellnummer | 169852 |
| ISBN / EAN | - |
| Person / Körperschaft | Faraday Society |
| Titel | Colloidal electrolytes. A general discussion. |
| Untertitel | - |
| Auflage | - |
| Erscheinungsjahr | 1935 |
| Ort, Verlag/ Hersteller | London and Edinburgh, Gurney and Jackson (für die Faraday Society) |
| Seiten | IV, 422 Seiten, reich ausgestattet mit Tabellen, mathematischen Formeln und einigen Fototafelnv, |
| Format | 8° , Leinen |
| Gewicht (Gramm) | 450 |
| Sprache | Englisch |
| Zustand | gebraucht; gut |
| Beschreibung | Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen.Ein Epochenbuch der modernen physikalischen Chemie der 1930er Jahre. Die Faraday Society in London war berühmt für ihre "General Discussions" - dreitägige, hochkarätige Denkschmieden, deren Protokolle als Meilensteine der Naturwissenschaft gelten. Es gibt hier keinen Einzelautor. Das Buch ist ein Sammelband, der die Elite der damaligen Weltchemie vereint. Unter der Leitung des Vorsitzenden Prof. Frederick G. Donnan (berühmt für das Donnan-Gleichgewicht an Membranen) steuerten 36 Spitzenwissenschaftler Arbeiten bei. Die Tagung fand vom 27. bis 29. September 1934 am University College London statt. Unter den Beteiligten waren u. a. der spätere Nobelpreisträger Peter Debye (Leipzig), Herbert Freundlich (der 1933 aus Nazi-Deutschland geflohen war), Wolfgang Ostwald (Leipzig), James W. McBain (Stanford, der Entdecker der Mizelle) und Alexander Frumkin (Moskau). Als Organisatorin war verantwortlich die Faraday Society, eine der weltweit angesehensten wissenschaftlichen Gesellschaften für physikalische Chemie. Das University College London war Austragungsort. Das Thema des Zusammentreffens war ein völlig neues Forschungsfeld: die Kolloidalen Elektrolyte. Das sind Substanzen, die sich in Lösung wie normale Salze verhalten (Strom leiten), deren Ionen sich aber zu riesigen Clustern (Mizellen) zusammenballen. Dabei geht es um Seifen, synthetische Waschmittel, Farbstoffe, Silikate und Proteine. Das Erkenntnisinteresse der Beiträge war: den physikalischen Grenzbereich zwischen echten Lösungen und makromolekularen Suspensionen mathematisch und thermodynamisch exakt zu beschreiben. Für die damalige MG eine Kernfrage: hier ging es um die chemische Analytik und mathematisch-fundierte Wiederholbarkeit von Abläufen, die in dem wichtigen Bereich der Erzgewinnung durch Flotation geschäftsentscheidend waren. Die Flotation löste ein epochales Problem des modernen Bergbaus: wie trennt man winzige Spuren von wertvollem Metall (z. B. Zinksulfid oder Bleisulfid) von dem tonnenweise wertlosen, mitgemahlenen Gestein (der "Gangart"), wenn beide als feinstes Pulver im Wasser schwimmen? Für die Laboranten der MG eine Alltagsherausforderung: sie untersuchten Erzproben und ermittelten in ihrem Labor, mit welchen chemischen Additiven (den kolloidalen Elektrolyten wie Xanthaten oder Phenolen) das spezifische Erz am besten flotiert werden konnte. Das Buch aus London war bei dieser Arbeit eine Quelle für Wissen und Formeln. Ein wichtiges Ergebnis dieser Laborarbeit, die sich (vermutlich?) aus Geheimhaltungsgründen nicht in den Publikationen der Frankfurter Chemiker spiegelt, ist ein heutiges UNESCO-Weltkulturerbe. Der Harzer Rammelsberg bei Goslar war ein tausendjähriges Bergbauzentrum: hier wurde von 968 - 1988 gefördert: Blei, Zink, Kupfer, Silber, Gold. Das Problem: die verschiedenen Metallminerale (Bleiglanz, Zinkblende, Kupferkies) waren nicht in dicken, sauberen Adern geschieden. Sie waren mikroskopisch fein verwachsen - wie Tortenschichten in Tausendstel Millimetern Dicke. Schmolz man das Erz im Hochofen einfach so ein, blockierten sich die Metalle gegenseitig. Das Zink verflüchtigte sich und zerstörte die Ofenwände, das Blei verschlackte das Kupfer. Jahrhundertelang konnte man daher nur die wenigen "reichen", sauberen Erze abbauen. Die riesigen Mengen des feinstverwachsenen Banderzes galten als "unaufbereitbar" und wurden als wertloser Schutt aufgehaldet. Hier sorgte der erste nationalsozialistische Schacht-Plan in Sachen Abbaueffizienz für neue Perspektiven: die Imperative Autarkie und Importvermeidung sorgten dafür, daß die Metalle des Rammelsbergs strategisch und damit geschäftlich überlebenswichtig wurden Und das Ministerium organisierte durch finanzielle Steuerungen den gewünschten unternehmerischen Rahmen; die Eigner diverser traditionsreicher Förderstätten wurden in der "Unterharzer Berg- und Hüttenwerke GmbH" der Preussag gebündelt. Und Geld und Direktiven aus dem Hause Schacht sorgten zugleich für die Einbindung der Frankfurter MG und ihrer Tochter Lurgi. Ihre Expertise war bei der verfahrenstechnischen Lösung des Banderz-Problems gefragt. Damit war zwischen 1934 und 1936 in den südhessischen Laboratorien genau die physikochemischen Fragen die Auftragsforschung, die unser Buch abarbeitet. Die Erze mussten in gigantischen Kugelmühlen so unfassbar fein gemahlen werden (auf Korngrößen von unter 0,04 Millimetern), bis die mikroskopischen Verwachsungen physisch getrennt waren. Nun schwamm ein staubfeiner, grauer Schlamm im Wasser. Jetzt mussten die MG-Laboranten die exakten kolloidalen Elektrolyte finden. Das Ziel war eine "selektive Flotation". Das bedeutete: Im ersten Becken durfte nur das Blei nach oben schäumen, während Zink und Kupfer unten blieben. Im zweiten Becken wurde die Chemie verändert, sodass nur das Zink nach oben stieg. Im dritten Becken das Kupfer. Die Lösung aus Frankfurt: durch den präzisen Einsatz von Xanthaten und Drückern (wie Cyaniden) gelang das Unmögliche. Die MG hatte die mathematisch-chemische Formel gefunden, um das unbezwingbare Erz sauber in seine Bestandteile zu trennen. Die baulichen Folgen dieser Entdeckung sind bis heute zu besichtigen: um dieses neue Verfahren im industriellen Maßstab zu praktizieren, wurde von einem angesehenen Industriearchitekten, Fritz Schupp; die Erzaufbereitungsanlage Bollrich als gigantische, terrassenförmige ‚Kathedrale der Arbeit' an einem Berghang geplant. Das Prinzip: schwerkraftnutzung. Oben rollte das Erz hinein, wurde Stufe für Stufe gemahlen, floss durch die riesigen Flotationsbatterien der Lurgi und unten kamen die sauberen Metallkonzentrate heraus. Die Ausbeute war phänomenal und sicherte dem Reich fortan tausende Tonnen heimischen Bleis und Zinks. Ein spektakulärer deutscher Erfolg u. a. durch die Nachrichten der Faraday-Societyaus London. |
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