gebraucht; sehr gut - Das Münchner Auktionshaus Hermann Historica veranstaltete am 18. 06. 2016 eine Auktion. Es wurden Stücke aus einer Sammlung versteigert, die der amerikanische Mediziner John Kingsley Lattimer (1914 - 2007) zusammengetragen hatte. Lattimer war ein prominenter Urologe und 25 Jahre lang Professor an der New Yorker Columbia University. Er hatte berühmte Patienten: u.a. Katharine Hepburn, Greta Garbo, Charles Lindbergh und John F. Kennedy. Und es gab eine Karriere davor: Lattimer begleitete als Militärarzt die Invasion in der Normandie, war anschließend in München stationiert und bei den Nürnberger Prozessen für die medizinische Versorgung der Hauptangeklagten zuständig. Wie die Sammlerstücke ins Inventar der Lattimerschen Sammlung geraten sind "rätselhaft" (FAZ). Der Historiker Andreas Mix, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Memoriums Nürnberger Prozesse, mutmaßt: "In dem Umfeld der Nürnberger Prozesse waren so viele Menschen beteiligt, Wachpersonal, Ärzte, Psychologen. Da kann es durchaus sein, dass jemand etwas mitgenommen hat" (ntv Panorama,10.06.2016,11:23. Was da u. a. "mitgenommen wurde, dokumentiert der Katalog des Auktionshauses. Eine österreichische Tageszeitung (Kurier 16. 06 2016) faßt zusammen: "die Messinghülle (der Blausäure-Kapsel Görings) ..., Rufpreis 25.000 Euro, ... (Görings) Jagdhose und Stiefel, (Erg: Jacken!), Krawatten und Hosen von Adolf Hitler, Kleider von Eva Braun und besonders makabre Objekte: Teile der Stricke, mit denen der Österreicher Ernst Kaltenbrunner und andere Nazi-Größen am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet wurden". Dabei ging es um elf jeweils mit 500 € aufgerufene Strickstücke, die neben dem Österreicher Kaltenbrunner, Hans Frank, Wilhelm Frick, Hermann Göring, Alfred Jodl, Wilhelm Keitel, Joachim von Ribbentrop, Alfred Rosenberg, Fritz sauckel, Arthur Seyß-Inquart, Julius Streicher aus dem Leben in den gerichtlich ausgeurteilten Tod beförderten (in jedem Fall die Versicherung des Auktionshauses: "a segment of his hangmen's rope used at his execution on 16. October 1946"). Die Objekte lieferte laut FAZ die Tochter, die mit dem Erlös ihre Erbschaftssteuer finanzieren wollte. Und die Verkaufsveranstaltung war ein Erfolg. Die Bild-Zeitung titelt am 20. 06.2016: "Widerlichste Auktion des Jahres. Hitler Jacke für 275.000 Euro ersteigert!". Trotz Ausschluß der Presse war ein Schreiber der Bild-Zeitung dabei. Er beobachtete und befragte (erfolglos) einen angeblich argentinischen Auftragsbieter und protokollierte dessen Großeinkauf: Hitlers Jacke (175.000), Hitlers Hose (62.000), Hitlers Hundesteuerbescheid (3.800), Röntgenbilder von Hitlers Kopf (21.000), Görings Biberfellhut (3.400), Görings Pilotenuhr (42.000), Görings Blausäurekapsel (26.000). Gegen die Auktion gab es heftige Proteste. U. a. des Münchener Oberbürgermeistes Dieter Reiter: ""Ich kann nur erneut an das Auktionshaus appellieren, die Auktion abzusagen und sich der Verantwortung, die eine Versteigerung derartiger Devotionalien mit sich bringt, bewusst zu werden". (Spiegel online) Das Bayerische Justizministerium prüfte die Rechtmäßigkeit solcher Auktionen, stellte aber fest, dass es keine rechtliche Möglichkeit gibt, diese zu untersagen. Der Handel mit Gegenständen, die NS-Symbole enthalten, ist nach § 86 des Strafgesetzbuches eingeschränkt. Verfassungsfeindliche Symbole müssen in jedem Fall abgedeckt werden. Die Verbreitung solcher Gegenstände ist jedoch erlaubt, wenn es "der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient." (§ 86 StGB - Einzelnorm. Abgerufen am 14. Oktober 2025) Und das Auktionshaus kennt die Regelungen des Strafrechts! Auf seiner website erfährt der Kunde: "Solange Kataloginhaber, Auktionsteilnehmer und Bieter sich nicht gegenteilig äußern, versichern sie, dass sie den Katalog und die darin abgebildeten Gegenstände aus der Zeit des Dritten Reiches nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken erwerben. Die Hermann Historica oHG, ihre Versteigerer und Einlieferer bieten und geben diese Gegenstände nur unter diesen Voraussetzungen an bzw. ab."