(= Monographien über Chemisch-Technische Fabrikations-Methoden; Lieferung LI)
Auflage
-
Erscheinungsjahr
1932
Ort, Verlag/ Hersteller
Halle (Saale): Wilhelm Knapp.
Seiten
VIII, 146 Seiten, mit 35 Abbildungen und 22 Tabellen im Text (Textabbildungen und schematische Darstellungen von Gieß- und Trockenmaschinen).
Format
23 cm, Bibliothekseinband
Gewicht (Gramm)
400
Sprache
Deutsch
Zustand
gebraucht; gut
Beschreibung
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen. Halbleinenbroschur mit montiertem originial Deckeltitel.Dieses Werk gehört zu einer Reihe von Buchanschaffungen zum Thema ‚Azetylzellulosen', die die MG Anfang der dreißiger Jahre in ihre Bibliothek ‚aufgenommen' (u. a. auch das ‚Handbuch der Azetylzellulosen' von Oskar Kausch (1933), siehe Katalog). Während Kausch das allgemeine Patentwissen des Grundstoffs behandelte, konzentriert sich Ulmann ganz auf die praktische Fabrikation und Verarbeitung zu Folien und Kinofilmen. Sein Buch erschien in einer Zeit, in der die Film- und Verpackungsindustrie weltweit versuchte, den hochgefährlichen, selbstentzündlichen Zelluloid-Film (Zellulosenitrat) durch die unbrennbare Azetylzellulose - den sogenannten "Sicherheitsfilm" - zu ersetzen. Ulmann lieferte mit diesem Werk die erste detaillierte verfahrenstechnische Monografie über die großindustrielle Herstellung von Sicherheitsfilmen. Er beschreibt das Gießverfahren (Trockenverfahren) auf rotierenden Trommeln oder Endlosbändern, den Einsatz von flüchtigen Lösemitteln sowie die Beimischung von Weichmachern. Für die Metallgesellschaft (MG) war dieses Buch im Jahr 1932 von hohem forschungstechnischen und kommerziellen Interesse: Die MG war über ihre Beteiligungen und Allianzen (u. a. mit der Degussa) tief in der Entwicklung von Spezialchemikalien verwurzelt. Azetylzellulose-Folien wurden damals nicht nur für Kinospielfilme benötigt, sondern boomten als feuerfeste Isolierfolien in der Elektrotechnik sowie als Splitterschutzschichten für das neu aufkommende Verbund-Sicherheitsglas in der Automobilindustrie. Da die MG eigene Metallsalze und chemische Hilfsstoffe vertrieb, die bei der Stabilisierung und Modifizierung dieser Folien als Additive eingesetzt werden konnten, nutzten die Laborchemiker in Frankfurt Ulmanns Fabrikations-Monografie, um die exakten chemischen Anforderungen der Folienhersteller zu analysieren und maßgeschneiderte Rohstoffe anzubieten. Zusammen mit Kauschs ‚Azetylzellulose' dokumentiert es den massiven Einstieg der Metallgesellschaft in die Erforschung der modernen Polymer- und Kunststoffchemie am Vorabend der industriellen Autarkiepolitik der 1930er Jahre.
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